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Von Erg Chebbi über Erg Sneggi und Erfoud bis Zagora

Am nächsten Vormittag (es ist mittlerweile der 27.02.) sind wir dann über die Dünen mit den 2 Dicken wieder Richtung vermeintlicher Piste gefahren. War ganz schön auf und ab und auch teilweise gaaaaaaanz schön schräg. Schrägfahren empfinden wir als ziemlich spannend und respekteinflößend – aber Ewald meistert das alles sehr geil. Ist halt doch ein echter Kerl.

Also wir weiter auf der „Piste“ (wir wollten wieder mal nach Merzouga und einkaufen, um dann vielleicht in den Erg Sneggi zu fahren) und plötzlich war da keine Piste mehr. Wir waren so ein klein wenig ratlos, bis Perrys Telefon klingelte und Karl-Heinz ihm mitteilte, dass er auf dem Weg zu uns ist. Lustig, die Welt ist so klein und ganz besonders hier unten. Karl-Heinz kam dann tatsächlich eine halbe Stunde später in Begleitung einer jungen Österreicherin. Die zwei hatten sich wohl in Merzouga beim Einkaufen kennen gelernt und Daniela ist dann – nur mit einem kleinen Rucksack bestückt – fürs Wochenende mit die die Wüste … fanden wir relativ mutig! Mit Karl-Heinz sind wir dann mal so richtig in die Dünen, viel mehr als wir (auch zusammen mit Ellen und Perry) uns jemals zugetraut hätten. Teilweise war die Adrenalinausschüttung mehr als ordentlich und wir sind auch ins Schwitzen gekommen … puh … aber Ewald war wieder mal sehr cool und einfach GEIL. Da soll noch mal jemand sagen, er wäre nicht Wüstentauglich. Karl-Heinz hat es auf einer Düne etwas zu gut gemeint und sich in weichem Sand am Dünenrand so tief eingegraben, dass wir zum ersten Mal die Schippen auspacken mussten. Auch diese „Ausgrabung“ war für uns ziemlich lehrreich, da wir einiges über das Ausgraben selbst und das Sichern des Fahrzeugs gegen ein Abrutschen im sehr, sehr weichen Sand gelernt haben. Karl-Heinz kann eben auf über 40 Jahre Wüstenerfahrung zurückblicken. Da können wir uns noch einiges abkucken.

Nach dem interessanten Abenteuerspiel sind wir dann doch noch Merzouga zum Einkaufen, um dann wieder zurück in die Erg Chebbi zu Karl-Heinz und Daniela´s Übernachtungsplatz zu fahren. Hat ein wenig länger gedauert, weil Ino stecken geblieben ist und wir ihn erst rausziehen wollten (gar nicht einfach im Sand) und ihn dann rausgebuddelt haben. Wir wissen jetzt ja wie es geht. Es war schon fast dunkel, als wir am Übernachtungsplatz ankamen, aber dank unserer Flakscheinwerfer war es vor uns quasi taghell.

GPS: 31° 7` 1„ N und 3° 56` 29„ W

Nach einer super erholsamen Nacht (totale Stille – daran muss man sich aber auch erst mal gewöhnen) haben wir wieder einen Rödel- und Schlumseltag gemacht. Natürlich hat uns der Ehrgeiz wieder mal gepackt und wir haben alle zusammen eine Wanderung auf die größte und höchste Düne unternommen. Das war wieder ganz schön spannend! Es ging echt sehr steil durch den weichen Sand, über einen Grat bis zur Spitze. Oben angekommen hatten wir einen atemberaubenden Ausblick über den ganzen Erg. Das Runterlaufen war dann noch viel atemberaubender…

Kasi ist immerzu am Optimieren und Verbessern. So hat er die Tisch- und Stuhlhalterung im Fahrerhaus optimiert und von der Fahrerhauslagerung rechts die Feder gelockert und mal die Hülse entfernt. Er versucht damit das „Knacken“ des Fahrerhauses bzw. der Feder beim Verwinden in den Dünen zu eliminieren. Soviel können wir nun schon sagen, weg ist es noch nicht … aber wir sind auf dem richtigen Weg (uns ist ja nichts unmöglich …).

Am 1.3. sind wir nach 2 Nächten dann wieder mal nach Merzouga (unsere meist besuchte Ortschaft auf dieser Reise) um einzukaufen und auf Schmuddel zu warten, der sich telefonisch angekündigt hatte. Schmuddel reist allein, da sich sein Reisgefährte Max mit seinem T3 bereits in Frankreich wegen technischer Probleme wieder auf die Heimfahrt begeben hat.

Mit drei LKW (Schmuddels Hanomag AL 28, Ino und Ewald)sind wir dann noch in den Erg Sneggi (Erg Znigue) und haben dort wieder Karl-Heinz getroffen. Dieser Erg ist völlig untouristisch, einsam und wunderschön. Unser Platz war super, dort hätten wir es auch mal 1-2 Wochen aushalten können. Total ruhig und nur mit Allrad erreichbar.

GPS: 30° 58` 16„ N und 3° 55` 37„ W

Am nächsten Tag haben wir alle diverse Exkursionen unternommen und haben Straußeneierschalen, Steine und Fossilien gesucht. Vor sehr langer Zeit haben in der Dünensenke wohl mal Strauße gebrütet und jetzt kann man noch die glatt geschliffenen Eierschalenfragmente finden. Damit können wir bestimmt noch was Lustiges kreieren. Zauberhafte Steine haben wir jetzt schon sehr viele gesammelt … wahrscheinlich sprengt Ewald demnächst (aufgrund unserer Sammelleidenschaft) sein zulässiges Gesamtgewicht.

Wir haben mittlerweile schon oft über 30 Grad und auch an dem Tag war es wieder sehr warm. Herrlich….

Am nächsten Tag sind wir wieder mal nach …. Richtig! …. Merzouga. Aber diesmal nur zum Tanken und Geld wechseln. Weiter ging es durch Rissani nach Erfoud. In Erfoud wollten wir mal ein wenig mehr einkaufen, kamen aber natürlich (wie immer) zur „Mittagszeit“, die bis circa 16 Uhr geht, an. War aber kein Problem, nach einem Minztee sind wir frisch gestärkt shopping gegangen. Wir waren seeeeeeeeeeeeeeeeeehhhhhhhhhhhhhr erfolgreich. Tücher, Frauenanzug und jede Menge Lebensmittel.

Übernachtet haben wir dann im etwa 10 Kilometer entfernten „Korallenriff“. Unseren Platz haben wir in der Nähe von Ali (Ei-Ei – schon vorbei) gefunden.

GPS: 31° 22` 32„ N und 4° 9` 40„ W

Am nächsten Tag, mittlerweile der 4.3., sind wir natürlich wieder auf Fossilien-Exkursion gegangen. Das macht echt Spass, weil man echt auch was finden kann. Wir haben zahlreiche versteinerte Schnecken und Muscheln gefunden … und bald hat Ewald echt ein Gewichtsproblem – hihi.

Wir hatten uns nun vorgenommen Marokkos „schönste Piste“ von Taouz nach Zagora zu fahren. Wir sind aber nicht so sehr weit gekommen, weil bei Schmuddel bzw. seinem Hanomag die Antriebswelle an der Hinterachse gerissen ist. Also wieder nach Erfoud rein, Werkstatt gefunden und die Achse schweißen lassen. Prima (dachten wir) und wir sind dann wieder weiter südlich. Weil es schon recht spät war, haben wir beschlossen wieder am Fuß des Erg Sneggi zu übernachten. Wir haben uns zum Übernachten direkt in die Nähe des Brunnens gestellt – zum Glück – weil da wurde es noch sehr lebhaft. Während wir uns selbst mit dem sehr guten Wasser versorgt haben, kam zuerst eine Dromedar Herde und dann noch ein paar Esel mit super süßen Zieglein. Da war wirklich zauberhaft … wir sind alle hingeschmolzen.

Am nächsten Morgen haben wir „Arme Ritter“ gefrühstückt – sehr lecker – und danach sind wir auf die oben besagte Piste. Also die ersten 15 Kilometer sind recht ungemütlich, dann wird die Piste teilweise sehr sandig (geil) und die Landschaft ist fantastisch. Leider ist Schmuddels Antriebswelle wieder gerissen, er muss nun im Zweiradbetrieb die Piste schaffen aber zur Not können wir ihm helfen. Unser Übernachtungsplatz ist wunderschön mit einer tollen Aussicht.

GPS: 30° 44` 33„ N und 4° 15` 57„ W

Auch hier hatten wir wieder mal (wie des Öfteren hier in Marokko) Besuch eines Einheimischen – und das mitten im Nirgendwo. Er wollte aber weder etwas tauschen noch etwas verkaufen, er wollte von uns einen Zahn gezogen bekommen und brauchte Hilfe bei der Reparatur seines Motorrades. Also mit dem Zahn, das haben wir uns nicht zugetraut, aber die Jungs konnten ihm wenigstens mit seinem Motorrad helfen. Wir müssen einfach immer wieder feststellen, wie gastfreundlich und kontaktfreudig die Marokkaner sind. Natürlich wollen sie oft etwas verkaufen oder tauschen … das empfinden wir aber meist nicht als lästig … und jeder heißt uns in „seinem“ Marokko willkommen. Toll! Auch beim Fahren, wenn wir durch ganz abgelegene Gegenden kommen, und trotzdem Menschen sehen – jeder winkt und lächelt (also fast jeder). Überall schlägt uns Gastfreundschaft entgegen. Schlechte Erfahrungen haben wir überhaupt noch keine gemacht.

Am zweiten Tag auf der Piste konnten wir auch wirklich nachvollziehen, warum diese Piste zu Marokkos schönsten Pisten zählt. Die Sahara zeigt sich hier von ihren vielschichtigen Seiten, mit viel Sand, Steppen, Bergen, Hügeln, kleine Oasen und vielen Fatamorganen. Wir sind an diesem Tag fantastische 90 Kilometer gefahren und das in 4,5 Stunden. Natürlich hatten wir auch wieder Wellblech aber auch ausgetrocknete Seen und Flüsse sowie viele Sanddünen. Auf einer Wellblechpiste bin ich sogar mal kurzfristig seekrank geworden … ging dann aber wieder, auch weil die abwechslungsreiche und sehr geile Landschaft mich ablenken. Auch für die zweite Nacht haben wir wieder einen schönen Platz gefunden.

GPS: 30° 36` 33„ N und 5° 4` 57„ W

Hier hat uns dann am Abend die „Dorfjugend“ aus einem in der Nähe gelegenen Dorf besucht. Wir denken, dass wir für die Jugend auch einfach mal eine Abwechslung sind. Sie postieren sich einfach neben den LKW und beobachten uns – wie im Kino oder Zoo.

Am dritten Tag hatten wir dann noch mal circa 80 Kilometer Piste vor uns, nicht mehr so anspruchsvoll, aber trotzdem relativ rumpelig. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag wieder bei knapp 30 km/h. Als wir kurz vor Zagora wieder Asphalt unter den Rädern hatten, kam es uns vor, wie auf Watte zu fahren. Insgesamt war es eine sehr schöne und interessante Erfahrung, fast 200 km auf einer kaum befahrenen Piste durch eine fast einsame tolle Gegend zu fahren.

Am Eingang von Zagora kamen uns auch schon die ersten Teilnehmer der Rally Tuareg entgegen, die hier einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Merzuga machen. Auch schon wieder geil! Überall Rally-Fahrzeuge aller Art, von vielen Enduros bis zum 8×8 KAT ist alles vertreten. Wären wir einen Tag später auf der Piste gewesen, hätten wir die Rally-Fahrzeuge wahrscheinlich an uns vorbei fliegen sehen. Na ja, so können wir sie wenigstens hautnah sehen.

Beim Durchfahren von Zagora stellen wir beide wieder fest, wie schön und Abwechslungsreich die Stadt ist. Von schönen Prachtstraßen, tollen Gebäuden und herrlichen Riads über gemütliche, palmenbewachsene Campingplätze und natürlich viele kleine „Tante Emma-Lädchen“ aber auch eine recht große Markthalle mit angeschlossenen Souks. Auch eine gute Bäckerei haben wir gefunden, was in Marokko eher selten zu sein scheint. Diesmal sind wir auf dem Campingplatz Sindibad abgestiegen, um mal etwas Abwechslung zu haben. Hier gefällt es uns deutlich besser, da die Duschen viel viel besser sind. Heute ist dann erst mal wieder großer Waschtag. Ewald, unsere Wäsche und wir benötigen mal wieder eine dringende Reinigung. Natürlich müssen auch die Nippel mal wieder abgeschmiert werden.

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