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Von Marrakesch bis Erg Chegaga

Am 12.02.2015 sind wir dann, nach einem sehr schlumsigen Vormittag, nochmal Nachmittags in die Medina gefahren. Diesmal haben wir wieder völlig neue Ecken entdeckt, wie beispielsweise den Gewürzmarkt, den Obst- und Gemüsemarkt, den Stoffmarkt … ich glaube ja, dass man mehrere Tage in den Souks herumlaufen und sich auch verirren kann, ohne zweimal an einer Stelle gewesen zu sein. Jeder sollte diese Stadt mal erlebt haben – es ist überwältigend und für mich nicht in Worte zu fassen. Daher einfach noch ein paar Bilder:

Am nächsten Tag haben wir uns zunächst von Uta verabschiedet, sind noch mal ordentlich einkaufen gegangen und dann südöstlich in den Hohen Atlas gefahren. Wir haben tatsächlich für 138 km über 4 Stunden gebraucht … nicht unbedingt weil Innowan und Ewald so langsam waren, sondern weil wir immer wieder auf den Passstraßen LKW vor uns hatten, die maximal 20 km/h gefahren sind. Auf einem Pass in 2.260 m Höhe hatten wir dann (wieder mal) Schnee – puh. Wir sind dann von der Hauptroute abgebogen und auf einer (sehr zu empfehlenden) teilweise pistenartigen Nebenroute bis nach Telouet gefahren. Dort haben wir direkt an der Kasbah sehr ruhig übernachtet.
Am nächsten Morgen, sind wir bei fantastischem Wetter erst noch gelaufen (und das auf einer Höhe von 1.880 m), um dann die Kasbah in Angriff zu nehmen. Unser Guide war Rashid, der stolze Berber. Sollte irgendwer mal diese Kasbah besichtigen wollen, und das ist mehr als zu empfehlen, auf jeden Fall nach Rashid fragen. Er hat alles sehr gut und vor allen Dingen interessant erklärt, hat sich unserem Tempo angepasst und uns alle Fragen (auch zu der heutigen Lebenssituation der Berber) beantwortet.

Die Kasbah besteht aus drei Teilen (17., 18. Und 19. Jahrhundert) und ist zu großen Teilen sehr verfallen. Der berühmteste Pascha von hier war im 20. Jahrhundert der Pascha Glaoui (Pascha von Südmarokko). Er hat sich mit den Franzosen verbündet und war daher teilweise mächtiger als der Sultan. Er lebte mit 1.000 Leibeigenen, 5 Hauptfrauen (Harem) und 80 Konkubinen (im Sommer) in dieser Residenz. In den gut erhaltenen Sälen und Räumen fühlt man sich, mit den Stuck- und Mosaikarbeiten, stark an die Alhambra erinnert. Also, ich muss sagen, ich fand es hier besser als in der Alhambra. Das hat aber natürlich am Wetter und an den sehr wenigen Touris und nicht zuletzt an Rashid gelegen.
Wir sind dann die Asif Ounila Schlucht noch 40 km weiter gefahren (bis wir wieder auf der Hauptroute waren) und das war mehr als zauberhaft. Die schroffen Berge, die Blumenhänge, die Lehmbauten, die Pistenfahrten (beispielsweise zur Salzmine) … GEIL und abenteuerlich.

Hinter Ouarzazate Richtung Tazenakht hat sich die Landschaft wieder sehr verändert … es sah fast aus wie im Monument Valley … dort haben wir an einer still gelegten Straße und einem idyllischen Bachlauf wieder eine sehr ruhige Nacht gehabt. Wir haben vor dem Schlafengehen noch ein wenig die Kameras (die viel mehr können als wir) für ein paar zauberhafte Bilder ausprobiert.
GPS 30° 54` 17„ N und 7° 14` 32„ W

Am nächsten Vormittag haben wir in Richtung Foum Zguid fahrend, mitten in einer Baustelle einer sehr schmalen Straße „die“ Franzosen mit ihrem nagelneuen Actionmobil-MAN getroffen. Ellen und Perry haben die zwei nun in den letzten 5 Jahren zum dritten Mal an den unterschiedlichsten Orten getroffen. Und jetzt mitten im Nirgendwo. Die Welt ist echt klein – abgedroschen aber wahr.

Nachdem wir an diesem Tag, übrigens der 15.02., wieder mal gar nicht soooooooooo weit gefahren sind (vermutlich keine 100 km, aber wir sind wahrlich nicht auf der Flucht) haben wir wieder an einem Fluss, nach ein wenig Pistenfahrt wieder einen herrlichen Platz zum Übernachten gefunden. Es gab zwar gefühlte 2,3 Milliarden Mücken und anderes Getier aber dank „Antibrumm“ war das kein Problem. Am nächsten Vormittag waren wir in der angrenzenden Schlucht noch ein wenig wandern und haben wieder viel Flora und Fauna bewundern können (sogar eine kleine Schlange haben wir gesehen … definitiv zu klein zum Würgen …). Wir haben leider kein Schlangenbestimmungsbuch dabei, vielleicht könnt Ihr ja erkennen, was es für eine Art ist. Sie hatte kleine „Hörner“ über den Augen.
GPS 30° 25` 6„ N und 6° 54` 31„ W

Wieder sind wir am nächsten Tag weiter Richtung Erg Chegaga gefahren. In Foum Zguid noch ein letztes Mal vor der Wüste getankt, Tee getrunken und kurz hinter dem Ort auf die äußerst ronkelige Piste abgebogen. Was für ein Gehoppsel … wir sind mit einer maximalen Geschwindigkeit von 10 km/h (!) circa 20 km gefahren, um dann einfach mitten in der steinigen Wildnis für die Nacht stehen zu bleiben.
GPS: 30° 25` 5„ N und 6° 54` 32„ W

Am nächsten Morgen hatten wir dann mal wieder Besuch eines Nomaden … nicht aufdringlich … aber man kann stehen wo man will, irgendwo taucht immer einer auf. Gerne möchten sie Tauschgeschäfte vornehmen und ich kann jedem Marokko-Reisenden empfehlen alte Schuhe und (Kinder-) Kleider mitzunehmen. Aber auch ein Kaffee oder frisches Obst wird gerne genommen. Es wird auch immer wieder nach Alkohol und Zigaretten gefragt, aber das unterstützten wir nicht, da wir ja selbst weder Rauchen noch Alkohol trinken :).
Auf der Weiterfahrt sind Karsten und ich erst mal auf der Piste gelaufen und Ellen und Perry haben die 2 Dicken erst mal weiter in der wahnsinnigen Geschwindigkeit hinter uns her bewegt … auch schon wieder lustig. Dann haben wir den Lac Iriki erreicht und konnten tatsächlich mal über die ausgetrockneten Lehmplatten fast mit 50 km/h rasen. Und dann ging es erst so RICHTIG los. Sand, sehr viel Sand und dabei sind wir noch nicht mal richtig IN der Erg Chegaga angekommen. Ewald (und Sandie am Steuer) mussten sehr hart arbeiten. Aber das ist soooooooooooooo geil. Es ist echt cool zu sehen und zu merken was unser Ewald so alles kann. Wir haben uns schon fast wie auf einer richtigen Sandrally gefühlt. Dann haben wir noch ordentlich Luft (aus den Reifen natürlich) abgelassen und den Unterfahrschutz hochgeklappt, weil es ja am nächsten Tag so richtig in die Dünen gehen soll. Abends hatten wir dann noch die Ausläufer eines ausgewachsenen Sandsturms zu spüren bekommen. Weil wir mit Regen rechneten, haben wir unsere Autos noch schnell vor der Dunkelheit auf eine Düne gestellt, um nicht in einer Senke „abzusaufen“. Nachts hat sich Ewald so heftig geschüttelt, dass wir am nächsten Morgen fast bis zu den Achsen im Sand verschwunden waren! Aber dank des Allrads und des niedrigen Luftdrucks in den Reifen konnten wir ohne Probleme losfahren! Auch wieder eine neue Erfahrung.
GPS: 29° 52` 34„ N und 6° 14` 22„ W

Jetzt stehen wir auf unserem Übernachtungsplatz in den Dünen, haben ÜBERALL Sand, werden gleich draußen in der Sonne frühstücken und dann geht es raus, um in den Dünen zu „spielen“.
Wir sind schon wieder einen Tag weiter – und waren gestern im Sand spielen und surfen … Coooooooooooooooooooooool … was für ein Spaß. Sobald wir wieder ein wenig besseres Internet haben, werden wir mal versuchen Videos hochzuladen. Wieder mal fehlen mir die Worte, um diese grandiosen Erlebnisse zu beschreiben. Einmal sind wir auf einer breiten Piste mit zwei LKW mit 40-50 km/h nebeneinander durch den Sand „gesurft“. Neben uns rannten noch zwei Esel her und ich hatte das Gefühl wir sind auf einem Boot und die Delfine schwimmen mit uns :).

Am Abend dieses Spieltages haben wir uns einen Stellplatz 4 km entfernt von der Verbindungsstraße Zagora Mhamid gesucht. Mhamid haben wir bewusst umfahren (soll nicht so toll sein … sehr aufdringliche Schlepper). Am Abend haben wir uns ein leckeres Currygericht auf der Murika gekocht, mussten dann jedoch sehr schnell in Innowan umziehen, weil wieder mal ein Sandsturm auf uns zukam.
Die ganze Nacht hat es gestürmt, so sehr, dass Ewald (mit seinen zarten 9 Tonnen) ganz schön schaukelte. Nachher fahren wir mal Richtung Zagora, da werden wir mal ein wenig ruhen, einkaufen, den Bericht ins Internet stellen usw.

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