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Von Zagora bis Tafraoute

Wir sind dann letztendlich tatsächlich ganze 5 Nächte in Zagora geblieben. So lange haben wir noch nie an einem Platz mit Ewald gestanden. Es ist aber wirklich nie langweilig geworden. Wir haben viel Sport gemacht, waren auch beim Shopping erfolgreich und hatten sehr zauberhafte Begegnungen (auch der dritten Art).

So haben wir Andy mit seinen zwei Mädels, Happy und Henrieke, kennenlernen dürfen (siehe Begegnungen). Andy, der Hippie, reist mit seinem alten Mercedes 508 Bus durch die Lande und hat vor 2 Wochen die zwei Mädels, die per Anhalter unterwegs sind, aufgegabelt. Die zwei, übrigens eine Holländerin und eine sehr unamerikanische Amerikanerin, sind eigentlich nach Indien unterwegs. Sind aber jetzt, nach eigener Aussage, irgendwie in Marokko gelandet. Sehr cool … und ein wenig anders. Sie reisen nur mit Rucksäcken und ohne Zelt. Sie hoffen, einfach immer von netten Personen mitgenommen zu werden, vielleicht ein Übernachtungsplatz zu finden und etwas zu essen zu bekommen. Es scheint ihnen bisher noch nichts wirklich Blödes zugestoßen zu sein – und wir hoffen, dass das auch so bleibt.

An einem Abend haben wir alle zusammen gekocht, Wein getrunken und wurden dann von Happy und Henrieke ein wenig in „Akro-Yoga“ (von Akrobatik und nicht wie wir erst dachten Agro) eingeführt. Dabei haben fast alle Fliegen gelernt – was für eine Erfahrung … Also, nicht was Ihr schon wieder denkt! Ihr seht es ja selbst auf den Bildern. Wir haben uns schon vorgenommen, das mit Sicherheit noch weiter zu lernen. Mal sehen, ob wir einen Workshop oder ähnliches dafür finden, wenn wir wieder zurück sind.

Wir waren auch wieder auf dem großen Markt einkaufen, der immer Mittwochs und Sonntags in Zagora stattfindet. Dort wird aaaaaaaaaaaaaaaaaaallllllllllllllllllllllllllllllllllllllllles angeboten (nur kein lecker Käse oder Alkohol). Man kann Haushaltswaren, Stoffe, Kleider, Schuhe, lebende/tote Hühner, Ziegen, Fisch, Gewürze, Schafe lebend oder in Einzelteilen, Obst, Gemüse, Autozubehörteile, Eselzubehörteile, Nomaden-Kunstgegenstände, Eier, Brot und noch viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeel mehr an gefühlten mehreren Hundert Ständen kaufen. Unglaublich … man sollte aber auf keinen Fall sehr empfindlich sein. Wir merken schon, dass wir ziemlich „akklimatisiert“ sind und uns die Gerüche, der Müll und anderes gar nicht mehr viel ausmacht. Auf jeden Fall sollte man nach der Fischhalle so schnell wie möglich wieder einen Gewürzstand aufsuchen! Der Markteinkauf bzw. Besuch ist auf jeden Fall eine Erfahrung, die kein Marokkoreisender verpassen sollte.

Auch in der Ladenstraße von Zagora waren wir noch sehr erfolgreich und haben in einem kleinen Kleidergeschäft zugeschlagen. Wir gehen immer am Liebsten in die Läden, wo kein Schlepper uns „hinschleppen“ will, denn dort sind meist die nettesten Verkäufer.

Nach ein paar lustigen und auch „spacigen“ Tagen und Abenden ist dann endlich (am Freitag, den 13.03.) die Steckachse von Schmuddels Hano aus Deutschland angekommen. Leider ist aber wohl nach der letzten „Reparatur“ in Erfoud ein Lagersitz am Differential abgebrochen – echt blöd. Schmuddel hat dann nach einigem Hin und Her beschlossen gaaaaaanz langsam Richtung Norden (mit Vorderradantrieb) zu fahren. Ellen und Perry, deren Visum auch bald abläuft, begleiten ihn auf dem Weg zur Fähre.

So war dann die Zeit des großen tränenreichen Abschieds gekommen. Wir hatten echt eine super erlebnisreiche aber auch erholsame Zeit mit Ellen und Perry. Wir haben alle vier festgestellt, dass wir auf jeden Fall – auch weil wir den gleichen Rhythmus haben – sehr reisekompatibel sind und auch jederzeit eine Weltreise zusammen machen könnten. Wir haben uns also verabschiedet, in dem Wissen, dass wir uns alle im Mai schon wieder sehen. Wir freuen uns auch schon wieder darauf …

Wir zwei sind dann mit unserem Ewald, der einfach fabelhaft läuft (nicht zuletzt auch, weil Kasi ihm wieder mal die Nippel abgeschmiert hat), weiter in den Westen gefahren. Es war zunächst wieder ein echt komisches Gefühl nach so vielen Wochen allein unterwegs zu sein – aber wir können es noch. Auf der N12 sind wir bis Foum Zguid, um dort noch ein paar Lebensmittel einzukaufen, zu tanken und noch frisch gepressten O-Saft (herrlich) zu trinken. Da es noch nicht sehr spät war, sind wir noch weiter Richtung Tata am Jbel Bani (Jbel heißt übrigens Gebirge) vorbei. Hier gibt es Berge, die sind unten bewachsen (Gräser und Moose), dann kommt eine Sandschicht und oben in der Gipfelgegend sind dann Felsen und Steine – außergewöhnlich. Kurz vor Tissint haben wir bei den „Cascades Bani“ einen zauberhaften Stellplatz für die Nacht gefunden.

GPS: 29° 51` 4„ N und 7° 15` 16„ W

Der Platz ist nicht sehr leicht zugänglich und man muss schon ganz schon aufpassen, dass Reifen nicht von den teilweise sehr spitzen und scharfkantigen Steinen aufgeschlitzt werden. Aber es ist schon sehr paradiesisch dort. Der Fluss führt tatsächlich Salzwasser und hat dort kleine Kaskaden gebildet. Es schwimmen sehr viele Fische darin und wir konnten mal schön unsere Füße einweichen. Nach dem sehr vielen Staub und Dreck in Zagora war das mal eine Wohltat. Da es mittlerweile immer wärmer wird, hatten wir dort auch den ersten wirklich sehr milden Abend und Nacht. Wir konnten den ganzen Abend mit kurzen Sachen draußen sitzen.

Nach einer sehr lauen Nacht haben wir uns und Ewald versorgt (Brot, Eier, Kaffee, Öl und Kühlwasser geprüft) und sind auf der N12 bis nach Tata. Tata scheint eine sehr saubere und aufgeräumte Stadt zu sein – viel konnten wir aber nicht sehen, da wir zur Mittagszeit da waren und da schlafen die Ortschaften förmlich. Hinter Tata ging es dann auf der R109 in den Anti-Atlas. Also, der Anti-Atlas ist wirklich eins der schönsten Gebirge, so abwechslungsreich mit roten, grünen und schwarzen Felsen mit bizarren Formen. Die Gegend ist teilweise sehr einsam, jedoch in den grünen, saftigen Tälern reihen sich die Dörfer aneinander. Für uns sehen die Berge aus, als hätte ein Bäcker versucht sehr viel Blätterteig und Prinzregententorten zu machen. Dabei musste es auch sehr viele verschiedene Teige rühren aber auch Klöße formen und herausgekommen ist dann der Antiatlas. Wie immer schwer zu beschreiben – muss man gesehen haben – gerade auch weil man sich hier der Entstehung der Erde sehr nahe fühlt.

Kurz vor Igherm musste Ewald einen sehr hohen, schmalen und steilen Pass erklimmen. Wir sind immer wieder froh, dass hier einfach maximal wenig Verkehr ist. Manchmal sehen wir höchstens 5 Fahrzeuge am Tag – das wäre in Europa auch mal ganz schön. Auf jeden Fall, ist die Gefahr jemanden ausweichen zu müssen, sehr klein. Und selbst wenn wir anderen begegnen – kein Problem – alle (bis auf ein paar Touris) sind hier sehr vorsichtig und defensiv unterwegs. Oben auf dem Pass angekommen hatten wir eine fantastische Aussicht auf den Anti-Atlas.

Hinter Igherm sind wir dann auf eine noch kleinere, teilweise pistenartige, Straße (R106) weiter Richtung Tafraoute. Bis auf sehr viele Ziegen- und Schafherden, ab und zu Frettchen oder Wiesel und eine Schlange sind fast keine Lebewesen mehr zu sehen. Für den Abend haben wir, mitten in einem Mandelbaumhain, einen schönen Schlafplatz gefunden.

GPS: 30° 5` 0„ N und 8° 30` 46„ W

Ab und zu sind sehr freundliche Berber vorbei gekommen. Alle haben uns gegrüßt und wir haben uns wieder sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt. Nach einer wieder mal ruhigen Nacht sind wir dann am 15.03. bis nach Tafraoute gefahren. Hier werden wir zwei Nächte verbringen. Wir stehen ganz schön am Ortsrand in einem Palmenhain und um uns herum sind einige Rentner-Überwinterer, viele aus Frankreich, ein paar aus Holland, England und Spanien. Wir sind die einzigen Deutschen, was uns sehr verwundert. Der Platz ist so groß, dass doch jeder für sich steht und wir von den anderen nichts mitbekommen.

Heute haben wir eine zauberhafte Wanderung durch ein ausgetrocknetes Flussbett auf einen nahe gelegenen Granitfelsen unternommen. Hier sieht es teilweise so aus, als hätte Herkules Fußball gespielt. Überall liegen riesige runde Felsbrocken wie Fußbälle in der Landschaft herum. Damit lassen sich natürlich auch wieder schöne Fotos machen. Während der Wanderung haben wir wieder die unbeschreibliche Ruhe genossen. Das einzige was man hört, sind die vielen Bienen, die unermüdlich die unendlich vielen bunten Blüten bestäuben. Am Himmel haben wir seit langem mal wieder ein vorbeifliegendes Flugzeug gesehen. Uns ist dabei aufgefallen, dass der Himmel hier in der Gegend kaum frequentiert ist und somit immer makellos blau erscheint. Ab und zu sieht man mal ein Wölkchen aber nur ganz selten. Und das schon seit über 5 Wochen. Ist das nicht genial?

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