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Drei Länder in einem Monat – das hatten wir auch schon lange nicht mehr. Wir verabschieden uns aus Mexiko, freuen uns zurück in Guatemala zu sein und die ersten Tage in El Salvador sind mehr als vielversprechend. Einer der absoluten Höhepunkte war wohl die Wanderung auf den Acatenango, um dem äusserst aktiven Fuego näher zu kommen. Aber auch die weniger spektakulären Dinge, wie heiße Quellen, wunderschöne Fincas und zahlreiche andere Vulkane waren wunderbar zu erkunden und zu verweilen. 

Die Tage in Cristobal Colon tun uns einfach nur gut. Das Wetter ist perfekt und die Gegend einfach nur zauberhaft. Alles ist grün und von vielen kleinen Wasserwegen durchzogen. Die Bäche, Flüsse und Seen sind unglaublich klar, genau wie das Wasser in den Cenoten. Der Weg hierhin war zunächst gut, im Park selbst wird es dann aber ziemlich lustig. Wir erkunden die Gegend etwas zu Fuß und entdecken jenseits einer Brücke einen wundervollen Grasplatz. Wir sprechen mit einer Dame und sie meint wir könnten locker mit Ewald rüberfahren – doch kurz bevor wir tatsächlich fahren werden wir von einem hektisch winkenden Mann aufgehalten … er hat aufgrund des zarten Gewichtes von Ewald doch große Bedenken. Also suchen wir weiter und finden noch eine Brücke, die zu einem noch schöneren Platz führt. Hier dürfen wir rüber aber es ist nervenaufreibend, denn es sind links und rechts nur ein paar Millimeter Platz. IRRE – aber wir schaffen es. Wir springen dann erst mal in den glasklaren Fluß, um unsere erhitzten Körper und Gemüter etwas abzukühlen. Wir bleiben drei Tage und genießen die Ruhe und auf dem Weg raus stellen wir fest, daß es noch einen viel leichteren Weg durch den Fluß gibt. Viel besser.

Leider stellt Kasi aber ein paar Verluste fest. So haben wir unseren Unterlegkeil, der uns seit Beginn an begleitet, verloren. Wir haben noch das Rappeln gehört, haben aber gedacht, dass das von einem anderen vorbeifahrenden Lastwagen kommt. Und wir haben ein Teil unserer rechten Feststellbremse verloren. Das wiegt doch ein wenig schwerer – doch erstaunlicherweise ist das System redundant aufgebaut und die Feststellbremse funktioniert noch beidseitig. Kasi hat schon einen passenden Zylinder in Deutschland gefunden und den bringen wir das nächste mal dann mit, wenn wir hier nicht zufällig einen gleichen Bremszylinder finden. Bis dahin behelfen wir uns mit Steinen und Holzbrettern zur zusätzlichen Sicherung. Alles wird gut.

Jetzt heißt es für längere Zeit von Mexiko Abschied zu nehmen. Das fällt uns ganz schön schwer und die super lieben Menschen an der Grenze machen es uns nicht wirklich leichter. Wir melden uns ab und geben das TIP für Ewald zurück, wobei der Zöllner uns zweimal fragt, ob wir uns ganz sicher sind, dass wir nicht schon demnächst wieder kommen. Es wird ein paar Jahre dauern, aber wir sind uns sicher, eines Tages kommen wir zurück. Die Einreise nach Guatemala verläuft ebenso schnell und geschmeidig. Wir fahren bei La Mesilla über die kleine Grenze und müssen mit Ewald durch den Wochenmarkt manövrieren – das stellt aber, wie immer, mit den entspannten Menschen, die einfach ein paar Marktstände verschieben und die Sonnenschirme zusammenklappen, kein Problem dar. Insgesamt hat die Aus- und Einreise keine Stunde gedauert und hat sogar Spaß gemacht.

Wir fahren auf der brandneuen Straße, ganz ohne Schlaglöcher und Topes, noch etwa 80 km weiter ins Landesinnere und stellen uns dann zum Übernachten an ein Schwimmbad. Zum Schwimmen ist es aber nicht sehr einladend. Wir marschieren am Abend und am nächsten Morgen mal links und mal rechts die super steilen Wege hoch. Willkommen in Guatemala – die Wege sind so steil, dass wir diese unmöglich joggen könnten. Hier abseits der Hauptstraße sehen wir ganz ursprüngliche kleine Kaffeefarmen und die Menschen sind zurückhaltend, scheu aber sehr freundlich zu uns. Wir werden jedoch auch teilweise wie ausserirdische beäugt. Wir glauben, dass hier kaum je „Weißbrote“ herkommen. Einfach großartig und unverfälscht.

Weiter geht es auf der noch länger sehr guten Straße CA-1 Richtung Huehuetenango. Leider müssen wir auch durch diese molochartige Stadt. Die Straßen werden eng und enger sowie steil und steiler. Wir sind sehr froh, in der kleinen Stadt Chiantla anzukommen, obwohl die Durchfahrt durch diese Stadt auch recht anstrengend ist. Für die letzten 10 Kilometer haben wir 2 Stunden gebraucht. Doch hier finden wir eine ganz zauberhafte Oase inmitten des ganzen Trubels. Wir sind nun wieder auf einer Höhe von 2.000 m angekommen und akklimatisieren uns in den nächsten Tagen.

Wir erfahren, dass gerade ein großes Fest zu Ehren der „Virgen de Candelaria“ (Jungfrau der Lichtmess) stattfindet. Herrlich! Es ist ordentlich was los und wir stürzen uns in die Massen. Wir erleben etwa 40-50 „Jungfrauen“, die zu Brother Lui Lui Lui tanzen. Dieter Bohlen is everywhere! Die Prozession, in Verbindung mit dem lebenden Feuerwerk, ist ein Spektakel und die Stimmung ist einfach ganz besonders. Es wird einfach gerne gefeiert – überall lächelnde Gesichter. Wir erkunden noch ein Mirador, doch die Wanderung war vermutlich eine unserer hässlichsten ever, denn wir müssen durch sehr viele Müllberge gehen. Doch der Oreo Shake am Mirador entschädigt für einiges. Ansonsten sind wir viel auf dem Markt unterwegs und genießen den Luxus von heißen langen Duschen auf dem kleinen Camp.

Mittlerweile sind wir (in unseren Augen) wahre Meisterbäcker. Wir backen nun schon unser fünftes Sauerteigbrot – diesmal mit Walnüssen – und sind erstaunt wie gut es uns gelingt. Oscarchen scheint sich gut bei uns eingelebt zu haben. 

Unsere nächste Etappe führt uns in die Cuchumatanes, eine Hochebene auf ca. 3.500 m Höhe. Die Cuchumatanes sind die höchsten Berge nicht vulkanischen Ursprungs in Guatemala. Da wir nicht direkt von 2.000 m auf 3.500 m fahren wollen, bleiben wir die nächste Nacht erst mal bei einem Mirador auf 3.100 m. Die 1.100 Höhenmeter muss Ewald auf 10 Kilometer Wegstrecke bewältigen. Langsam und beständig lässt er sich jedoch nie beirren und wir sind entspannt. Wir stehen mit Ewald direkt am Aussichtsplatz „Dieguez Olaverri“  und keiner stört sich an uns. Wir führen nette Gespräche und erkunden noch ein wenig die Gegend.

Nach einer erholsamen ruhigen Nacht und einer kleinen Gipfelerstürmung fahren wir weiter in die Hochebene der Cuchumatanes. Wir befinden uns nun in dem Parque Todos Santos Cuchumatan und finden auf 3.600 m einen super Platz für uns drei. Wir sprechen noch kurz mit den nächsten Nachbarn, ob wir hier stehen dürfen. Und wie immer ist es kein Problem. Die Höfe hier oben sind sehr einfach, viele Frauen und Mädchen sitzen in der Sonne und weben kleinere, sehr bunte Stoffbahnen. Überall springen Ziegen, Schweine und Hühner herum und viele Männer bearbeiten die kargen Felder. Die Welt scheint ein wenig stehen geblieben zu sein hier oben. Wir mögen diese Atmosphäre sehr, könnten uns aber gleichzeitig nie und nimmer vorstellen, hier zu leben.

Wir unternehmen einige Wanderungen. Wir besteigen den höchsten Berg in dieser Region den „Cerro de los Cuervos“ (3.837m) und wandern zur Laguna Seca de Ordonez. Die Lagune ist sehr trocken (wie der Name schon sagt) und wir begegnen auf unseren Wanderungen keiner einzigen anderen Person und leider auch keinen Tieren – außer ein paar Vögeln und Eichhörnchen. Doch die Landschaft und die Ausblicke sind atemberaubend und wir sind echt froh, hier zu sein.

Ein paar Tage später fahren wir wieder mit einer Zwischenübernachtung an „unserem“ Mirador in tiefere Regionen. Unglücklicherweise müssen wir wieder durch Huehue – doch es läuft diesmal zwar langsam aber relativ entspannt. Wir übernachten, gut bewacht von einem mit Gewehr ausgerüsteten „Hilfssheriff“ hinter einer Tankstelle und nach einer erstaunlich ruhigen Nacht dort fahren wir weiter auf einer fantastischen Straße (CA-1) Richtung Antigua. Auf dem Weg finden wir ein goldiges Restaurant mit leckeren Frapuchinos und Crepes. Wir fragen, ob wir dort auch übernachten dürfen – und natürlich dürfen wir. Alle sind so herzlich, hilfsbereit und lieb zu uns. Wir werden einfach verwöhnt.

Nach fast genau einem Jahr erreichen wir wieder Antigua – es ist ein wenig wie heimkommen. Wir richten uns auf „unserem“ Vagamundo Camp häuslich ein und lassen erst mal tonnenweise Wäsche der letzten Wochen von Letti waschen. Wir springen in die fantastischen Duschen und gehen wieder auf unsere Berge „Santa Domingo“ und „San Cristobal el Cerro“ laufen. Wir müssen ja schließlich für unsere geplante Wanderung auf den Acatenango noch etwas trainieren. So erleben wir einige gemütliche Tage in Antigua und auch Pat und Neil tauchen wieder hier auf und wir verbringen eine gute Zeit zusammen.

Dann ist es soweit, schon vor über einem Jahr wollten wir diese besondere 2 Tage Wanderung auf den Acatenango machen, um dem sehr aktiven Fuego etwas näher zu kommen. Doch als wir letztes Jahr hier angekommen sind, war er die ersten 2 Tage aktiv und dann ist der aktivste Vulkan der Welt für mehrere Monate eingeschlafen. Wir haben uns dann letztes Jahr gedacht, dass es egal ist, da die Wanderung mit hunderten anderer Menschen uns eh nicht so „angemacht“ hat.

Doch dieses Jahr ist alles anders, schon seit 2 Wochen sehen wir den Fuego immer mal wieder aus der Ferne puffen und er ist einfach unglaublich aktiv. Einheimische sprechen sogar davon, dass er zu aktiv ist. Noch dazu ist das Wetter super stabil und so buchen wir uns eine Tour. Eigentlich wollten wir alleine und unabhängig hoch gehen und uns einfach in eine Hütte einmieten.  Doch wir entdecken online eine „Glamping“ Firma, die ein beheiztes Zelt, sehr kleine Gruppen, gutes Essen und eine private Toilette mit Aussicht anbietet. Das klingt mehr als verlockend für uns (haben wir doch verheerende Geschichten über die Kälte, schlechtes Essen, große Gruppen Toilettensituation am Berg gehört) und so buchen wir die Tour kurzerhand.

Und so stehen wir morgens um 7.30 Uhr vor unserem Campingplatz und warten auf die Abholung.  Im Auto sitzt nur der Fahrer und ein weiterer Wanderer, Dylan 21 Jahre alt aus den USA, so erfahren wir, dass wir nur einschließlich Guide vier Wanderer sein werden. Das fängt schon mal fantastisch an und wir sind sehr gespannt. 

Der Anfang ist doof, ein steiler Anstieg auf einem engen staubigen Weg zwischen Stacheldrahtzäunen. Uns kommen sehr viele Wanderer von oben entgegen und das ist sehr unlustig. Nach circa 1,5 Kilometer sind wir im Wald und nun kommen uns auch keine Wanderer mehr entgegen. So verbringen wir die nächsten Kilometer (6,5 km bis zum Basecamp) zu viert auf dem meist steilen und recht anspruchsvollem Weg. Wir fühlen uns jedoch zu jeder Zeit stark und voller Energie – im Gegensatz zu Dylan, der einfach zu viel Gepäck dabei hat. Unser fantastischer Guide Hibierto erlöst ihn jedoch schon früh und so kommt auch Dylan, der uns wenig später adoptiert, gut hoch. Er ist beauftragt, einen neuen Imagefilm für unseren Tourveranstalter zu machen – darauf freuen wir uns auch schon, denn wir werden wohl recht präsent sein.

Nach knappen 3,5 Stunden kommen wir im Basecamp an und genießen erst mal ein kühles Bier bei herrlicher Aussicht. Noch ist es ganz still am Acatenango, da die meisten Firmen erst zwei Stunden später ihren Aufstieg beginnen und meist auch länger unterwegs sind. Unser Camp auf 3.600 m ist ganz wunderbar und komfortabel mit fantastischer Sicht auf den Fuego. Der aktive Vulkankrater ist jetzt noch ca. 2km Luftlinie von uns entfernt. Hibierto bereitet das Mittagessen vor und nach etwa einer Stunde kommen noch drei weitere Gäste an, die mit einem Geländewagen hochgefahren wurden. Nun sind wir zu sechst und wir verstehen uns alle auf Anhieb fantastisch und haben richtig viel Spaß zusammen. 

Wir bekommen zum Mittagessen Steaks, Bratkartoffeln, gebratenen Pilze und Gemüse zusammen mit Bier und Wein serviert und es ist einfach lecker. Nach ein wenig Chill-Zeit wandern wir dann gegen 16.30 Uhr rüber auf den Fuego. Lustigerweise müssen wir dafür durch ein recht tiefes Tal, so dass wir noch mal insgesamt weitere 600 Höhenmeter zu unseren schon gegangenen 1.200 Höhenmeter addieren. Wir fühlen uns aber noch immer nicht verausgabt und genießen schon bald den sehr windigen Ausblick auf den wilden Fuego und die in den Wolken liegende Vulkanlandschaft von Guatemala. Als die Sonne untergeht, ist es einfach unvergleichlich. Auf der einen Talseite war es schon stockdunkel, auf der anderen noch hell und der Fuego war nun mit seinen speienden glühenden Steinen noch dramatischer. Wir sind super dick in 5-7 Schichten eingepackt und genießen das Spektakel über eine Stunde im starken Wind. Auf dem Weg nach unten schalten wir unsere Stirnlampen ein und marschieren mit den mehreren Hundert anderen Gästen im Gänsemarsch im Dunkeln zurück zum Basecamp. Definitiv keine schöne Wanderung, sondern langwierig und sehr staubig.

Das Basecamp verteilt sich übrigens über die gesamte Südseite des Acatenango und besteht aus hunderten kleinen Hütten und Zelten. Es ist aber sehr schön in den bewaldeten Hang integriert und man sieht von seinem eigenen Camp fast nichts von den anderen Camps. Auch positiv zu bewerten ist das Müll-Management am Acatenango. Es gibt extra eine Sammelstelle für den Müll aller Camps. Dort sind zwei Jungs dafür zuständig, den Müll zu trennen, zu komprimieren und für den Transport nach unten vorzubereiten. Leider sieht man auf dem Weg nach oben trotzdem viele Plastikflaschen, Tüten und anderen Müll herumliegen, der von vielen Wanderern einfach weggeworfen wird. Wir fragen uns deshalb immer, ob wir diese Art des Massentourismus überhaupt unterstützen sollten.

Zurück am Basecamp erwartet uns ein wärmendes Lagerfeuer, eine Käse-Wurst-Weintrauben Platte, und Wein. Wir schauen alle weiter wie gebannt auf den Fuego und bekommen auch noch lecker Pasta mit Pilzsosse direkt am Feuer serviert. Wir sind glücklich, dass wir bei dieser Firma gebucht haben. Irgendwann ziehen wir uns dann ins geheizte Zelt zurück und schlafen ganz OK. Wir beschließen jedoch alle, nicht um 4 Uhr früh für die Gipfelbesteigung des Acatenango aufzustehen, denn dort oben ist es wohl noch windiger, ziemlich ausgesetzt und die Sicht von unserem Basecamp ist schon unübertrefflich.

So stehen wir gemütlich um 6 Uhr auf und genießen den wunderbaren Sonnenaufgang mit frischem Kaffee. Das Wetter meint es echt gut mit uns. Sobald die Sonne da ist, wird es angenehm warm und wir genießen unser leckeres Frühstück. Auch die Toilette mit der Aussicht hält was sie verspricht und so manch einer aus unserer Gruppe erlebt dort doppelte Eruptionen 😆. Wir waren als Gruppe ja eigentlich keine 24 Stunden zusammen aber die intensiven Erlebnisse mit den vielen Glücksmomenten schweißen doch direkt sehr zusammen.

Der Rückweg ist nicht so dolle. Viele Menschen sind auf dem Weg runter und es ist einfach UNGLAUBLICH staubig, steil und rutschig. Wir laufen oft und so rutschen wir nicht ganz so sehr. Den ganzen Weg runter freuen wir uns auf die Dusche, die wir dann auch zurück am Campingplatz, ausgiebig genießen. Gleichzeitig wandern direkt alle Klamotten in die Waschmaschine. Unser Fazit ist, dass das Erlebnis einmalig war. Die Wanderung an sich fanden wir nicht sehr schön und nicht allzu hart, wobei wir viele gesehen haben, die an ihre Grenzen gekommen sind. Es gibt viel schönere Wanderungen – einsamer und weniger staubig – doch das Erlebnis oben auf dem Vulkan war einfach unvergesslich.

Wir verbringen noch einige Tage in Antigua. Es ist schwer, diesen Ort zu verlassen, doch können wir es uns dieses Jahr nicht erlauben, wieder 4 Wochen hängen zu bleiben. Die drei Monate Visa für die 4 Länder insgesamt sitzen uns doch ein wenig im Nacken – wobei wir eventuell die Möglichkeit haben in Nicaragua zu verlängern. Mal schauen.

Nach 9 Nächten in Antigua schaffen wir es, sehr schweren Herzens, Antigua hinter uns zu lassen. Wir fahren 35 km durch kleinste Bergdörfchen mit super engen Gässchen (Ewald dürfte noch nicht mal 2 mm breiter oder länger sein) und kommen nach etwa 2 Stunden am Parkplatz des Vulkan Pacaya an. Hier sind, wie fast immer in Guatemala, super hilfsbereite und liebe Menschen und wir verabreden uns, den Pacaya am nächsten Tag um 7 Uhr mit einem Führer zu besteigen. Pacaya ist Guatemalas dritter aktiver Vulkan, jedoch pustet er zur Zeit nur Dampf aus dem Hauptkrater und vielen kleinen Seitenkratern. Diesen Vulkan kann man sicherlich auch ungeführt besteigen, doch unterstützen wir gerne die lokale Wirtschaft und freuen uns, spanisch zu sprechen und mehr zu erfahren.

Deysi ist schon vor 7 Uhr bereit und wir marschieren zu Dritt, begleitet von 5 Hunden, den Berg hinauf. Es ist nicht sehr anstrengend, wir haben nur gute 500 Höhenmeter zu bewältigen und die Wanderung ist auch nur gute 5 km lang. Doch erfahren wir von Deysi viel von den vergangenen Ausbrüchen und lernen einiges über die Pflanzen- und Tierwelt auf dem Vulkan. Auf einem Hochplateau mit vielen Dampfschloten brutzeln wir uns ein paar Marshmellows und genießen die Stille, denn noch sind wir die einzige Truppe hier oben. Eine schöne und informative, wenn auch nicht spektakuläre Wanderung. Uns hat besonders der steile Abstieg durch ein Aschefeld Spaß gemacht. Hier konnten wir durch den weichen Lavasand herunterlaufen, was sich wie Skifahren angefühlt hat.

Nach unserem zweiten Frühstück füllt sich der Parkplatz rasant und wir beschließen, weiter zu fahren. Das nächste Ziel liegt genau auf der Rückseite des Pacaya. Die leichte Strecke ist 26 km und die schwierigere Strecke ist 11 km lang. Zum Glück sind wir mal vernünftig und entscheiden uns für die leichte Strecke. Mehr als 2 Stunden benötigen wir für diese „leichte“ Strecke. Wieder mal haben wir das Gefühl neue „Steilheits“-Rekorde aufzustellen, wenn wir in der Untersetzung im ersten Gang so manchen Berg hoch- und runter schleichen. Wir denken, dass wir die Straßen hier in Guatemala nicht so sehr vermissen werden 😆.

Doch die Mühe hat sich gelohnt, wir landen auf der Finca La Escondida – die versteckte Finca. Wir haben die vier Vulkane, Pacaya, Agua, Acatenango und Fuego im Blick und es ist herrlich ruhig und wunderschön hier. Die riesige fast menschenleere Finca ist gesprenkelt mit kleinen Kunstwerken, Miradoren, Schaukeln und wir sind umgeben von Kühen, Pferden und Kuhreihern. Einfach idyllisch. Von hier aus können wir auch prima laufen und wandern und so genießen wir hier ein paar sehr ruhige Tage. Von hier aus ist auch der Pacaya viel schöner anzuschauen. Wir unternehmen eine Wanderung zu einem Wasserfall – zunächst denken wir, dass er vermutlich ausgetrocknet ist oder dass wir ihn gar nicht finden. Doch nach knapp 6 km, teilweise durch Lavafelder finden wir ihn und er führt sogar noch jede Menge Wasser. Yippie.

Wir verabschieden uns von Guatemala, wieder schweren Herzens, und nach einer Zwischenübernachtung in Jalpatagua vor der Feuerwehr, fahren wir an die Grenze nach El Salvador. Auch diese Grenze läuft wieder sehr geschmeidig, insbesondere auf der El Salvador Seite werden wir herzlich willkommen geheißen und alles scheint modern und effizient. Nach nur 45 Minuten sind wir aus Guatemala aus- und nach El Salvador eingereist. Neuer Rekord – so kann es gerne weitergehen an den Grenzen. Wir verbringen die erste Nacht vor dem Eingang zu heißen Quellen. Es ist Sonntag, doch ist es gar nicht so voll wie vermutet und wir unterhalten uns stundenlang mit gar nicht schüchternen El Salvadorianern. Sie sind sehr stolz auf ihr Land und auch auf ihren Präsidenten, der offensichtlich aufgeräumt und das Land weitestgehend entkriminalisiert hat.

El Salvador (der Name bedeutet „der Erlöser“) ist der kleinste, aber am dichtesten bevölkerte Staat in Zentralamerika, gelegen am Pazifischen Ozean zwischen Guatemala und Honduras und ist etwa halb so groß wie die Schweiz. Die Hauptstadt ist San Salvador. Das tropische Land ist bekannt für seine vielen Vulkane, Pazifikstrände (beliebt zum Surfen) und Maya-Ruinen. Die Währung ist der US-Dollar und es leben hier rund 6,6 Millionen Menschen.

Was sollen wir sagen, wir fühlen uns von der ersten Minute wohl hier. Die Menschen scheinen mindestens so freundlich wie die Guatemalteken und nicht ganz so zurückhaltend. Das Traditionelle fehlt uns ein wenig hier, so laufen fast alle in normaler „westlicher“ Kleidung herum und auch auf den Märkten konnten wir noch nicht so viel Handwerkskunst und bunte Farben feststellen … mehr Chinaware. Die Verbindung zur USA ist nicht nur wegen der Währung allgegenwärtig. Wir sind uns noch nicht sicher, wie wir das finden. Auffällig sind die Preise in den Supermärkten, die sind so hoch, dass wir uns fragen, wie sich das die Einheimischen leisten können hier einzukaufen. Ein Stück einheimischer Käse kostet locker über 10 US Dollar und die Flasche Shampoo 18 Dollar. Dafür ist der Diesel sehr günstig.

Nach weiteren Stunden Einweichen in den nun gänzlich einsamen heißen Quellen fahren wir weiter zur Laguna Verde, einem nahe gelegenen Kratersee. Die Straßen sind übrigens meist in sehr guten Zustand, doch wenn es die Vulkane hochgeht, ist es ebenso steil wie in Guatemala. IRRE. Es scheint in Mittelamerika einfach nicht sehr populär zu sein, mal Kurven oder Serpentinen zu bauen. Warum auch – wenn man doch einfach gerade und direkt hoch und runter bauen kann. 😆 Wir sind froh, die Untersetzung und auch die Motorbremse zu haben, wir könnten uns nicht vorstellen, hier ohne Motorbremse unterwegs zu sein.

Wir verbringen eine sehr windige Nacht am Kratersee und erkunden zu Fuß die Gegend. Sehr schön und bis auf den Wind sehr ruhig. Nur mitten am Tag wird es etwas strubbelig hier, wenn all die Quadtouren hier auftauchen kurz 20 Bilder machen und dann nach 5 Minuten wieder im Staub verschwinden. 

Die nächste Etappe ist ganze 14 km lang und bringt uns an die Finca Buena Vista. Es handelt sich hierbei um eine etwa 140 Jahre alte Kaffeegenossenschaft, die Glamping und Kaffetouren anbietet. Perfekt, doch zunächst erkunden wir das nah gelegene Dorf Juayua und kaufen ein wenig ein.

Die Nacht auf der Finca ist super ruhig und am nächsten Morgen werden wir mit einem leckeren Frühstück verwöhnt und bekommen dann eine ausführliche Tour durch die gesamt Anlage. Der Kaffee wird hier anders als in Guatemala verarbeitet. Hier werden zunächst die ganzen Kirschen 15 Tage lang auf großen Hofflächen getrocknet und dann die Frucht von der Bohne getrennt, die dann gewaschen und erneut getrocknet wird. In Guatemala wurde das Fruchtfleisch direkt von der Bohne (ohne Trocknung) getrennt. Die zweite Trocknung dauert nochmal etwa 5 Tage und wird währenddessen ständig per Handarbeit gewendet. Überhaupt ist hier sehr, sehr viel Handarbeit zu sehen, mehrfach finden Aussortierungen vor und nach der Röstung statt. Auch werden die Bohnen der Größen nach sortiert, dies erfolgt jedoch mit etwa 130 Jahre alten Rüttelmaschinen. Wir lernen viel und freuen uns doch fast alles zu verstehen, obwohl unser Guide unglaublich schnell auf spanisch spricht. Natürlich kaufen wir auch Kaffee, denn der hat beim Frühstück echt lecker geschmeckt.

Nun ruft uns die Natur wieder und nach einem Einkaufsabstecher in die Stadt Sonsonata, die schrecklich überfüllt, laut und heiß ist, fliehen wir zu den Vulkanen Santa Ana und Volcan de Izalco. Ewald klettert tapfer auf 1.850 m hoch und hier stehen wir auf einer herrlichen Grasfläche. Kurz nach uns kommen auch Pat und Neil an und wir genießen gemeinsam einen gemütlichen Nachmittag mit schönen Ausblicken auf die Vulkane und umgeben von viel Natur und perfektem Klima. Herrlich. 

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und gehen gemeinsam mit Neil zum Treffpunkt des Nationalparks Cerro Verde. Leidere scheint es in El Salvador in vielen Gebieten nicht erlaubt zu sein, ohne Guide zu wandern, daher müssen wir uns hier erst mal einen suchen. Anfänglich herrscht eine gewisse Konfusion, da die meisten Besucher hier „organisiert“ mit Touranbietern ankommen, doch ein paar Anrufe später ist die Lösung in Form von Estepan da. Wir beschließen, ihn als privaten Guide „zu buchen“ und steigen kurze Zeit später zu viert (mit Guide) auf den Vulkan. Nach 1,5 Stunden sind wir auf dem Krater auf 2.300 m und genießen die coolen Aussichten. Der Schwefelgeruch des Kratersees haut uns fast aus den Socken, so gehen wir noch etwas am Krater entlang und sind schier fassungslos über die Farbe des Sees. Er sieht einfach todbringend giftig aus und blubbert bei 45 Grad Celsius fröhlich vor sich hin. Er lädt nicht wirklich zum Baden ein. Da sieht der nahe gelegene Lago de Coatepeque, zumindest aus der Ferne, schon wesentlich einladender aus. Nach 3 Stunden sind wir wieder zurück bei Pat, Ewald und Cloud 9 und genießen unser zweites Frühstück. Wir sind echt froh, so früh losgezogen zu sein, denn kurz nachdem wir unseren Abstieg beginnen, kommen uns ziemlich viele Menschen entgegen.

Vermutlich werden wir noch ein paar Tage hier bleiben. Mal schauen wie verrückt das Wochenende wird, denn auch hier wird vermutlich gerne und laut am Wochenende gefeiert. Dann werden wir in den nächsten Tagen uns gemütlich gen Westen weiter mäandern. Es scheint noch einiges Interessantes auf dem Weg zu liegen und wir hoffen, dass uns das derzeitige äusserst auskömmliche Klima der Hochebenen noch lange hold bleibt. Wir halten Euch wie immer auf dem Laufenden und bis dahin:

Bleibt glücklich, gelassen und gesund.

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