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Der Monat Januar ist abwechslungsreich – und zwar in vielerlei Hinsicht. Wir haben tagsüber Temperaturen zwischen 15 und 30 Grad, wir machen Strandurlaub und sind kurze Zeit später auf 2.200 m Höhe in den Bergen, wir erleben schöne Unterwasserwelten, wunderbare Seen, Flüsse und atemberaubende Wasserfälle, genießen den Dschungel und auch ein wenig Kultur ist dabei. Der Monat ist also ganz nach unserem Geschmack und Ewald scheint einfach nur erfreut uns überall hinzubringen und uns ein gemütliches Heim zu bieten.

In den letzten Tagen vom alten Jahr verabschieden wir uns nun erst mal für voraussichtlich ziemlich lange Zeit von Tule. Wir saugen bei unserer morgendlichen Laufrunde nochmal alles in uns auf und schon geht es endlich wieder mit Ewald weiter. Wir fahren die neue 175 von Oaxaca Richtung Porto Escondido und es läuft zumeist gut. Die Straße ist erst letztes Jahr fertig gestellt worden, ist aber in Teilen schon wieder eine Großbaustelle, da es einige Erdrutsche gegeben hat. Am späten Nachmittag kommen wir wieder am Pazifik an und freuen uns, einen wundervollen sauberen Strand vorzufinden und unsere Füße ins Wasser zu stecken. Zum Baden sind die Wellen hier etwas wild, was gibt es aber Schöneres als am Morgen direkt am Strand aufzuwachen und barfuß in der Dünung zu laufen? Der perfekte Tagesanfang.

Wir fahren weiter an der Küste entlang und nach 2 kurzweiligen Stunden kommen wir in San Agustin an. Hier, auf dem Campingplatz Don Taco, bei Frans und Anneke, werden wir schon wie Freunde begrüßt. Bereits zum dritten mal sind wir hier. Die Bucht ist einfach der Hammer, denn hier kann man nicht nur schwimmen sondern auch ganz wunderbar schnorcheln. Über Silvester ist der Platz gerammelt voll – Zelt an Zelt und die Wohnmobile stehen dicht an dicht. Doch das macht uns gar nichts aus – die Stimmung ist friedlich und sehr ruhig, nachts hört man keinen Mucks – und es ist leicht, hier die Zeit zu genießen. Auch Django begrüßt uns wieder und ist bei einigen morgendlichen Läufen dabei – doch wird er etwas faul und läuft nicht mehr jeden Morgen die gesamte Strecke. Schön ihn wieder zu sehen. Wir warten hier auch auf Post aus Deutschland, doch leider versagt die DHL auf ganzer Linie. Der Brief hat es in zwei (!) Wochen noch nicht mal geschafft, Rodgau zu verlassen und wurde dann wieder an den Absender zurück gesandt. Wir sind immer wieder von den deutschen Dienstleistungen TOTAL begeistert. Zum Glück, finden wir eine andere Lösung und der Brief ist gar nicht mehr nötig. 

Leider stellen wir fest, dass unsere Klimaanlage nicht mehr will. Also, gar nicht mehr – sie hat nun nach nur 2 Jahren aufgegeben. Wir haben die Ecoflow Wave immer empfohlen – das nehmen wir jetzt zurück. Die Haltbarkeit ist nicht überzeugend – und uns wird es schon ein wenig Angst und Bange wenn wir daran denken, dass wir zur heißesten Jahreszeit in El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica unterwegs sein werden. Das wird mitunter hart werden – HA!

Bis jetzt ist das Klima aber sehr gut auszuhalten und nachts genießen wir die frischen Brisen vom Meer und müssen uns sogar mit einer (dünnen) Decke zudecken. Wir werden noch zum Geburtstag des heimlichen Chefs des Campingplatzes eingeladen und so feiern wir zu siebt den 9. Geburtstag von Don Taco – dem Hund von Anneke und Frans.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns nach neun sehr kurzweiligen Tagen und versprechen uns und auch Anneke und Frans, erst wieder zu kommen, nachdem wir zumindest in Ushuaia waren. Und so fahren wir über die kurvige, bergige und hoppelnde Küstenstraße weiter nach Concepcion Bamba. Auch dort sind wir nun zum dritten mal – aber es ist einfach ein perfekter Platz zum Übernachten und wir genießen es jedes mal. Hier erleben wir am nächsten Tag einen perfekten Morgenlauf: barfuß im Sand, aufgehende Sonne, viele Pelikane und eine herrliche Gischt. 

Wir fahren weiter durch die unschönsten Gegenden die Mexiko zu bieten hat und wundern uns überhaupt keine Flüchtlinge zu sehen. Natürlich haben wir mitbekommen, dass deutlich weniger Flüchtlinge nach Mexiko reingelassen werden – da sie weiter nördlich erst recht nicht in die USA gelassen werden – doch keinen einzigen mehr zu sehen, ist schon eigenartig. Letztes und auch vorletztes Jahr haben wir in diesem Abschnitt Tausende gesehen und es hat uns teilweise schier das Herz gebrochen. Ob wir das jetzt ohne Flüchtlinge besser finden? Schwer zu sagen … aber eigentlich nicht, denn wir können sowohl Kriegs- als auch die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge verstehen. Würde uns doch genauso gehen, wenn wir nicht so viel Glück mit unserem Geburtsort gehabt hätten.

Nach einer weiteren Zwischenübernachtung hinter einer Tankstelle – zumindest ruhig war es – erreichen wir San Cristobal de las Casas im Bundesstaat Chiapas. Auch hier waren wir schon mal aber das letzte mal nicht allzu begeistert. Doch jetzt gefällt es uns ganz zauberhaft hier auf 2.100 m Höhe und wir genießen die farbenfrohe Kolonialstadt, die zu Recht ein „Pueblo Magico“ ist. Das Wetter ist ziemlich frisch und wolkig, der Ort hat viel Charme, die Menschen sind reizend und wir lassen uns treiben.

Wir beschließen dem Nachbarort San Juan de Chamula und der berühmten Kirche einen Besuch abzustatten. Ja, richtig gelesen, normalerweise meiden wir Kirchen ja eher – aber diese soll besonders sein. Wir springen in ein Collectivo und werden direkt auf den Marktplatz mit angrenzender Kirche gebracht. Hier wohnen so um die 3.300 Menschen und es sind zumeist Maya vom Stamm der Tzotzil. Sie verteidigen stur und beständig ihre traditionelle Kultur und Religion gegen äußere Einflüsse. In der Kirche wird ein synkretischer Glaube gelebt, es werden christliche Heilige angebetet und die traditionellen Rituale durchgeführt. Leider dürfen keine Bilder in der Kirche gemacht werden … daher können wir nur versuchen, unsere Eindrücke zu beschreiben. Die Kirche hat keine Fenster und das Licht kommt von tausenden von kleinen Kerzen, die überall brennen. Die tausenden Kerzen erhellen die gesamte Kirche und strömen eine starke Hitze aus. Der Boden ist komplett mit Kiefernnadeln bedeckt, diese sollen schlechte Energien auffangen. Es wird niemals gepredigt und es finden überall familieninterne kleine Zeremonien statt. Die Familien kauern sich auf den Boden (Möbel gibt es keine) und stecken eine große Anzahl von Kerzen an, sie singen und rülpsen – dadurch sollen die bösen Dinge wie Krankheiten die Körper verlassen. Die Krankheiten werden auf mitgebrachte Hühner übertragen und diese dann getötet, um das Böse auszumerzen. Gerne wird auch Pox (Zuckerrohrschnaps) getrunken. Die Atmosphäre ist besonders und sehr ergreifend, aber auch bedrückend. Sehr schwer zu beschreiben. Wir waren auf jeden Fall tief beeindruckt.

Die nächste Etappe umfasst etwa 100 km und dauert fast 4 Stunden. Willkommen auf den Seitenstraßen in Mexiko – da ist es manchmal schwer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h zu erreichen. Aber der Weg hat sich mal wieder mehr als gelohnt. Wir sind nun bei den Wasserfällen „El Chiflon“. Das Besondere hier ist, dass es sich nicht nur um einen Wasserfall handelt, sondern um fünf Kaskaden, die vom San Vicente River in einem Tal gespeist werden, das von einer steilen Kalksteinschlucht geformt wurde. Der spektakulärste der fünf Wasserfälle ist die Cascada Velo de Novia (Brautschleier-Wasserfall), mit einer Höhe von über 120 Metern. Wir übernachten auf beiden Seiten des Flusses und erklimmen immer soweit wie möglich beide Seiten und sind ganz und gar begeistert. Auf unserer imaginären Wasserfall-Liste, hat es „El Chiflon“ direkt in die Top 3 (mindestens) geschafft.

Momentan reihen sich für uns besonders schöne Plätze aneinander. Die nächsten Tage verbringen wir im Parque Nacional Lagunas de Montebello. Über 50 Seen in diesem Gebiet und bei den meisten handelt es sich wohl um ehemalige kollabierte Cenoten. Wir hatten eine ganz andere Vorstellung von dieser Gegend, Kasi meinte er hätte es sich wie die mecklenburgische Seenplatte vorgestellt – doch sieht es ganz anders aus. Die Landschaft auch durchschnittlich 1.500 m Höhe ist hügelig mit steilen Abhängen, die Wald ist dschungelartig und saftig grün und das Wasser der Seen changiert zwischen den tiefsten Blautönen und erfrischendem Türkis. Wir sind hier direkt an der Grenze zu Guatemala und können zu Fuß einfach ohne Kontrolle „rübermachen“. Wir erwandern insgesamt 5 Seen und erleben einen abwechslungsreichen Dschungelpfad mit zahlreichen herrlichen. Ausblicken. Wir bleiben drei Nächte und lernen Andrea und Beat aus Zürich kennen. Wir verbringen einen unterhaltsamen Abend zusammen und wir bekommen von ihnen einen Mitbewohner geschenkt. Oscarito (Oscarchen) ist ein Sauerteigabkömmling von ihrem Oscar. Wir sind schon gespannt, wie wir mit der Verantwortung umgehen können. Wir versuchen ihn immer zu füttern und freuen uns schon auf unser erstes selbstgebackenes Sauerteigbrot. 

Es wird usselig und regnerisch und wir fahren weiter nach Las Nubes. Das liegt wesentlich tiefer auf 500 m und somit ist es dort wärmer. Die Sonne lässt sich jedoch tatsächlich für drei oder vier Tage nicht richtig blicken. Las Nubes ist zunächst schwer für uns zu erreichen, wir fahren leider auf der falschen Seite des Flusses und die Hängebrücke am Ende des Holperweges ist leider ganz und gar nicht für Ewald geeignet. Also müssen wir drehen und 29 km und zwei Stunden später stehen wir genau auf der anderen Seite der Hängebrücke. Hier stehen wir fantastisch und hier feiern wir Kasis Geburtstag. Dank unseres Starlink ist er auch für all seine Lieben erreichbar und wir verleben im tiefen Dschungel mit dem herrlich türkisfarbenen Fluss, Stromschnellen und Wasserfällen schöne Tage.

Über immer schlechtere Straßen bewegen wir uns sehr langsam weiter und Ewald steckt alles wie immer mit stoischer Ruhe weg. In Las Guacamayas übernachten wir und sehen am nächsten Tag Aras und direkt an unserem Platz jede Menge Klammeraffen (Spider Monkeys) und Kasi entdeckt einen riesigen Käfer … so einen großen haben wir noch nicht gesehen. Der Ort ist zauberhaft und vermutlich kommen wir in ein paar Tagen hier wieder vorbei.

Auch für die nächsten 110 km brauchen wir gute vier Stunden, zum Glück haben wir es nicht eilig, und kommen ziemlich durchgerüttelt in Frontera Corozal am Grenzfluss Usumacinta an. Wir stellen uns direkt neben die Rezeption eines leicht heruntergekommenen Hotels und hier verabreden wir für morgen eine Bootsfahrt nach Yaxchilan. Nach einer ruhigen Nacht, geht es um 7 Uhr durch dichten Nebel mit dem Boot zur Maya Stätte. Die Bootsfahrt dauert etwa 45 Minuten und wir sehen zu beiden Seiten des Flusses nur schemenhaftes grau in grau. Unser Kapitän muss ganz schön aufpassen, den richtigen Weg zu finden. 

Hier ein wenig Info: Yaxchilan ist eine alte Maya-Stadt am Ufer des Usumacinta-Flusses (Grenzfluss zu Guatemala). Schon früh wurde hier gesiedelt, doch lange fristete dieser Ort den Status einer unbedeutenden Kleinstadt. Doch das änderte sich als am zweiten August im Jahre 320 n. Chr. Yat-Balam den Königsthron bestieg und eine lange Dynastie einleitete. In der Spätklassik war Yaxchilan einer der mächtigsten Maya-Staaten entlang des Usumacinta-Flusses. Es beherrschte kleinere Siedlungen wie Bonampak und stand in einer langen Rivalität mit Piedras Negras und zumindest zeitweise auch mit Tikal. Es war ein Rivale von Palenque, mit dem Yaxchilan 654 Krieg führte. Die Stätte ist besonders bekannt für ihre gut erhaltenen, skulptierten Steinstürze über den Eingängen der Hauptgebäude. Diese Stürze enthalten zusammen mit den vor den Hauptgebäuden errichteten Stelen Hieroglyphentexte, die die Dynastiegeschichte der Stadt beschreiben. Um 700 n. Chr. erreichte die Stadt unter dem König Schild-Jaguar II. die größte Macht. Der König K’inich Tatb’u Schädel III ist der letzte bekannte König im frühen neunten Jahrhundert.

Und nun kurz zu unseren Eindrücken – die Anlage ist direkt in die Top 5 gerückt. Wir sind ganz alleine, nur ein paar Arbeiter sind mit weiteren Ausgrabungen in der großen Anlage beschäftigt, und am Anfang ist die Anlage noch von Nebel umgeben. Direkt bei der Ankunft werden wir vom allgegenwärtigen Gebrüll der Affen begrüßt. Das ist mystisch und die Gebäude in Verbindung mit den riesigen Bäumen und den Tieren werfen uns schier um. Bei unserem Picknick haben wir das Glück, nicht nur Affen und allerlei Vögel beobachten zu dürfen, sondern auch zwei Tukane – großartig! Hier lassen wir wie gewohnt die Bilder sprechen. Wir konnten die Anlage 2,5 Stunden genießen und sind dann im Sonnenschein mit dem Boot zurück zu Ewald geschippert. Auf dem Rückweg hatten wir noch das Glück, ein Krokodil zu sehen.

Am Nachmittag gehen wir noch in dem ziemlich toten Ort Frontera Corozal essen. Leider ist es nicht ganz so gut – ist aber auch einfach nix los – aber wir werden satt und es bleibt alles bei uns. Der Ort ist einfach zu abgelegen für mehr Tourismus – er macht alles, nur keinen prosperierenden Eindruck. Die Locals sind alle lieb und nett und man würde ihnen ein bisschen mehr Geschäft gönnen. Ist aber halt ein langer und nicht immer erfreulicher Weg hierher.

Wir beschließen, hier zu drehen und wieder den gleichen Holperweg verbunden mit Milliarden Schlaglöchern, weggebrochenen Straßen, Verwerfungen und Trillionen Topes zurück zu fahren. Die Übernachtungsplätze sind ja sehr schön und wir erholen uns zunächst wieder von einer 4 Stunden Fahrt in Las Guacamayas (die Aras). Der Ort ist so ungewöhnlich sauber und goldig und gefällt uns einfach.

Für den nächsten Tag haben wir uns eine Etappe von über 150 km vorgenommen – die sind nach 5,5 Stunden geschafft und wir sind noch mehr geschafft. Das war dann doch etwas zu viel und wir haben mal wieder (und wir sollten es ja mittlerweile besser wissen) die Straße mit ihren Fantastillionen Topes unterschätzt. Wir stehen jetzt glücklich wieder am gleichen Platz wie vor nicht allzu langer Zeit. Wir werden hier am Lago Tziscao noch einen Waschtag einlegen und diesen Bericht fertig schreiben.

In den nächsten Tagen wollen wir noch einen weiteren Naturpark mit Flüssen und Seen besuchen und dann queren wir in La Mesilla die Grenze nach Guatemala. Wir werden abseits der touristischen Pfade ein wenig das Hochland der Cuchumatanes erkunden – soweit das mit Ewald möglich ist und dann vermutlich wieder einen Abstecher in unsere Lieblingsstadt Antigua machen. Dann geht es grob immer weiter Süd-östlich auf, für uns drei, neuen Pfaden. Wir freuen uns schon und halten Euch wie immer auf dem Laufenden.

Bis dahin, bleibt glücklich, gesund und gelassen.

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