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Nun sind wir mit Ewald bereits in seinem 30. Land – wir zwei haben noch ein paar mehr auf unserer Liste – aber wir sind schon stolz auf Ewald durch wieviele Länder er uns schon geleitet hat. Bis zu unserem Europaaufenthalt im Sommer haben wir nun nur noch ein Land bzw. eine Grenze nach Costa Rica vor uns. Für unsere Verhältnisse sind wir seit Dezember letzten Jahres ganz schön zielstrebig unterwegs (hängt natürlich auch mit unseren Visas zusammen) und anstatt uns in chaotischem Zick Zack voran zu bewegen, geht es recht gradlinig Richtung Süd-Osten. Wir freuen uns aber auch schon drauf, wieder mal etwas länger verweilen zu können. Das hängt einerseits an den Touristenvisa, die wir bekommen, andererseits auch an der Camping Infrastruktur in den Ländern und natürlich daran, wie schnell es uns weiter zieht. Vielleicht finden wir in Costa Rica wieder einen Platz, wo man hängen bleiben kann – schauen wir mal.

Utila war ein schöner Zwischenurlaub von unserem Reiseleben. Und ja, viele denken wir sind doch immer im Urlaub, das wissen wir. Doch ist so eine Reise oft fernab vom Urlaub – es ist halt unser selbstgewählter Alltag. Ein Alltag der sich meist sehr frei anfühlt, wir aber auch unsere Routinen haben und wir es großartig finden, immer wieder neue Plätze für uns zu entdecken und mit der Natur ganz nah zu sein, aber auch mit den Einwohnern und der Kultur näher zu kommen. Es kann aber auch mal sein, dass wir keinen großartigen Übernachtungsplatz finden und wir vielleicht bei einer Tankstelle oder umgeben von Müll einen Platz haben – die Müllplätze kommen hier in Mittelamerika schon mal öfter vor. Auch muss man sich oft Gedanken zu alltäglichen Sachen machen, wo finden wir Diesel, wo können wir mal wieder „richtig“ einkaufen, wo finden wir einigermaßen gutes Wasser zum Auffüllen, was müssen wir für die Grenze vorbereiten … doch das macht uns Spaß und irgendwie klappt ja immer alles.

Wir verabschieden uns also von Utila und im schönsten Wetter geht es auf der Fähre zurück aufs Festland Richtung La Ceiba. Nach einer halben Stunde, wir haben die Wolken schon länger beobachtet, fängt es wie verrückt an zu schütten. Binnen Sekunden sind wir durchgeweicht und flüchten in den auf Kühlschrank Temperatur abgekühlten „Salon“ der Fähre. Im Hafen regnet es noch immer in Strömen und nach der sehr unorganisierten Gepäckausgabe beschließen wir, mit dem Taxi die 300 m bis zum Ewald zu fahren. Der Fahrer verlangt Wucherpreise – aber naja – als er dann aber noch 5 weitere Kunden einschließlich Gepäck in dem Kleinwagen mitnehmen will, flüchten wir zu Fuß. Zum Glück hatten wir noch nicht bezahlt und so marschieren wir durch knöcheltiefe Pfützen zu Ewald. Ewald und wir freuen uns, wieder vereint zu sein. Wir fahren noch ein kurzes Stück in die Stadt hinein und in einer Nebenstraße übernachten wir relativ ruhig. Am nächsten Morgen scheint die Sonne, wir laufen entlang des Malecon und gehen noch „richtig“ einkaufen.

Wir fahren auf einer Matschpiste entlang des Rio Cangrejal bis zum Nationalpark Pico Bonito. Hier dürfen wir neben dem Visitorcenter stehen und wir machen eine schöne Wanderung durch den Regenwald und sehen auf dem Sendero el Apache zahlreiche Wasserfälle, Echsen und Frösche. Die Nacht ist auch herrlich ruhig – anfänglich hören wir nur sehr lustige Laute, vermutlich Frösche.

Wir wollen noch weiter in den Osten von Honduras und fahren über die CA13. Im letzten Bericht hatten wir die fantastischen Straßen in Honduras erwähnt, das trifft aber definitiv nur auf den Westen zu. Hier im Osten sind die Straßen in einem desaströsen Zustand und wir kommen mit scharfkantigen teilweise Badewannen großen Schlaglöchern nur schleichend voran. Alle fahren in Schlangenlinien und es ist teilweise schon absurd. Auf der Karte entdeckt Karsten eine Abkürzung. Die RN113 – wir biegen ab und die ersten Kilometer sind super und wir denken schon, dass wir den heiligen Gral aller Straßen gefunden haben. Doch weit gefehlt. Die Straße verwandelt sich in die SCHLIMMSTE Schlaglochpiste Aller. Wir fahren mit durchschnittlich 3 km/h und berechnen, dass wir für die restlichen 35 Kilometer noch über 10 Stunden brauchen würden. CRAZY! Also wenden wir und weiter geht es auf der CA13. Wir befinden uns in der Osterwoche (Semana Santa), da hat jeder Urlaub und es ist einfach super viel los auf der Straße. Wir machen am Rand einer Stadt eine Zwischenübernachtung – es ist laut, die ganze Nacht – aber Ewald fühlt sich wohl, da direkt nebenan eine Kurzhauber Werkstatt ist und einige seiner Brüder dort stehen. Wir lernen am nächsten Tag den super netten Werkstattchef Jose kennen, er kann uns aber mit der Handbremse auch nicht helfen, da hier alle Kurzhauber Luftbremsen, also ein anderes Bremssystem, haben.

Wir kommen in Trujillo an und stellen uns zur Casa Alemana zu Günther und Paula. Günther ist vor Jahrzehnten aus Wernigerode ausgewandert und hat nun hier ein großes Hotel. Es ist schrecklich voll und schrecklich laut – aber das war uns ja klar – Semana Santa. Das Fest an dem alle sehr viel Alkohol konsumieren und quasi nonstop feiern. Der Strand ist an und für sich ganz schön und wir springen gerne ins Wasser aber nur früh am Morgen, wenn noch nicht so viel los ist mit Jet Skis, Booten und vielem mehr. Kasi bekommt von Günther ein sehr leckeres Schnitzel gebraten und ist selig. Gerne hätte uns Günther noch länger dabehalten – er scheint es zu genießen mal wieder deutsch zu quatschen – doch halten wir es bei diesem Trubel einfach nicht lange aus. Nach zwei Tagen flüchten wir in die Berge. 

Der Osten von Honduras ist weniger bevölkert und über lustige kleine unbefestigte Straßen schlängeln wir uns durch eine schöne Landschaft mit spitz kegeligen Bergen und vielen Kühen. Manchmal könnte man meinen, dass wir in der Schweiz unterwegs sind. Wir fahren auch über die, von vielen gefürchtete RN35. Die macht uns und Ewald aber Spaß – schmal und teilweise steil mit ein paar Matsch Durchfahrten, aber fast keine Schlaglöcher. So gefällt es uns. Wir übernachten bei einem kleinen Comedor (kleines, offenes Lokal) und am nächsten Tag frühstücken wir bei unseren lieben Gastgebern und schon geht es weiter.

Zwei lange Fahrtage liegen nun hinter uns und wir kommen in der Nähe von Danli auf dem „El Eden“ Camp an. Hier lässt es sich aushalten. Duschen, ein Pool, eine schöne Außenküche … einfach prima. Wir lassen ein paar Tage die Seele baumeln, erledigen aber auch einige Arbeiten in und um Ewald. Leider sitzt uns ja beständig das Visum im Nacken und so verabschieden wir uns schweren Herzens nach 3 Tagen und fahren ganz in die Nähe zur Grenze von Nicaragua. Rückblickend hat uns Honduras gut gefallen, auch wenn es, außer dem Tauchen auf Utila, keine echten Höhepunkte zu bieten hatte. Die Menschen sind sehr freundlich aber auch meist zurückhaltend und zum größten Teil sehr arm. Wir haben uns nie unsicher gefühlt und freies Stehen ist im ganzen Land (außer vielleicht in der einen oder anderen Stadt) kein Problem. Wir finden es auf jeden Fall sehr schade, dass die meisten Reisenden dem Land keine Chance geben und einfach von El Salvador in einem Tag „durchrauschen“. 

Die Grenze zu Nicaragua gilt bei vielen Reisenden als Tor zur Hölle und wir wollen möglichst früh morgens dieses Notwendige Übel hinter uns bringen. Wir sind bereits um 7 Uhr an der Grenze und was sollen wir sagen … um kurz vor 9 Uhr sind wir schon recht geschmeidig eingereist. Wir können es selbst kaum fassen. Am längsten hat die sehr gründliche Durchsuchung von Ewald gedauert. Es werden Drohnen, Waffen, Ferngläser, Nachtsichtgeräte, große Messer usw. gesucht und wir werden beide mehrfach danach befragt und mit (fast) reinem Gewissen, sagen wir, dass wir all das nicht haben. Bei den Offiziellen sorgt unsere Bilderwand mit Bildern von unseren Reisen und Familie und Freunden immer wieder für Begeisterung und Lacher, so haben sie sich hier an der Grenze sehr über unsere Eselbilder amüsiert. So ist die Laune von allen gelöst und wir sind entspannt. 

Wir fahren über endlich wieder sehr gute Asphaltstraßen mit sensationellen 45 km/h. Das ist die landesweite Höchstgeschwindigkeit, so haben wir gehört. Wenn wir Leute fragen, wie schnell man fahren darf, sagen sie, dass wir auch schneller fahren können, wenn keine Polizei zu sehen ist. Sehr lustig – und dabei könnte man es hier locker mit 70-80 km/h rollen lassen. Also zockeln wir gemütlich, so sieht man auch alles intensiver, durch schöne Landschaften mit ärmlichen Häusern, vielen Ochsen- und Eselskarren, wenig Verkehr, bis jetzt wenig Müll (das relativiert sich später noch) zum Canon de Somoto (Schlucht von Somoto). Dort stellen wir uns zu Claudia an ihre Finca La Huerta. Sie und ihre Familie führen einen kleinen Bauernhof, züchten Kampfhähne und organisieren Touren durch den Canon. Wir verabreden eine Tour für den nächsten Tag und erkunden den Canon erst mal von oben. Eine schöne Wanderung durch eine ebenso schöne Landschaft – der erste Tag in Nicaragua hat uns schon begeistert.

Am nächsten Tag werden wir auf der Ladefläche des alten Pickups zum „Eingang“ des Canons gebracht, dort wandern wir ein Stück und dann geht es über Felsen in den Fluß und schließlich wird geschwommen. Wir waren erst nicht so begeistert mit den Schwimmwesten aber jetzt ist es einfach schön, sich gemütlich treiben zu lassen. Es macht echt Spaß und die Schlucht ist teilweise atemberaubend schmal und steil. Wir sehen viele riesige Spinnen, Fledermäuse, Schmetterlinge … und spannend wird es, als wir eine Stufe ins tiefe sprudelnde Wasser runterspringen müssen. Zum Schluß sind wir noch mit einem Boot unterwegs bis wir letztendlich nach drei Stunden wieder bei der Finca ankommen. Claudia kocht uns noch ein leckeres Mittagessen und alles ist GROSSARTIG.

Es ist Freitag und da wir gerne in Esteli eine Zigarrenfabrik besichtigen wollen (wir denken, dass das auch Samstags geht) fahren wir nach dem leckern Mittagessen weiter und kommen nachmittags in der geschäftigen Stadt an. Esteli ist umgeben von riesigen Tabakfeldern und überall sieht man die Trocknungsscheunen gefüllt mit Tabakblättern. Wir fragen bei der ersten Fabrik nach, ob wir eine Besichtigung machen können, werden jedoch abgewimmelt mit dem Hinweis, dass das erst wieder am Montag möglich ist. Wir fahren ein Stück weiter, hier gibt es zig Fabriken, und bei der nächsten kann Sandie das Herz des Wachmanns und des Managers erweichen, indem sie erwähnt, dass die Mama von Karsten früher selbst in einer Zigarrenfabrik gearbeitet hat. 

Wir parken mit Ewald auf dem kleinen Hof und werden direkt von einigen Bediensteten neugierig befragt. Der Manager meint noch, dass er jetzt am Freitag Nachmittag uns nicht so viel zeigen könnte … doch dann legt er los. Er ist selbst leidenschaftlicher Zigarrenraucher und liebt seinen Beruf. Er erklärt uns ALLES mit soviel Herzblut und Passion – es ist echt ansteckend und wir haben eine wundervolle und lehrreiche Tour. Von der Fermentierung, dem Vorsortieren, dem Stopfen, dem Pressen, dem Rollen, dem Veredeln, der mehrfachen Qualitätskontrolle bis hin zum Verpacken in den selbst hergestellten und lackierten Kisten. Alles erfolgt in dieser Fabrik und die Mitarbeiter machen alle den Eindruck, stolz darauf zu sein, hier zu arbeiten. Las Villas vermarktet sowohl Zigarren unter eigenem Namen, aber das weitaus größere Geschäft ist die Herstellung für Firmen weltweit, die dann die Zigarren unter eigenem label verkaufen. Zufällig ist zeitgleich ein Schweizer „Zigarrenhändler“ hier, der regelmäßig nach „seiner“ Herstellung schaut und neugierig ist, was wir denn hier so machen.

Was für ein Tag, erst Canyoning, dann die mehr als zweistündige intensive Führung auf Spanisch bei „Las Villas“ – wir sind durch. Wir fahren noch ein Stück durch die total verstopfte Stadt (es ist halt Wochenende) und stellen uns todmüde zu einem Baseballstadion. Die Nacht ist einigermaßen ruhig.

Am nächsten Tag müssen wir uns erst mal klar werden, wie wir weiter durch Nicaragua fahren wollen. Wir hatten ursprünglich vor, unsere Visa in Managua zu verlängern. Diesen Gedanken verwerfen wir aber kurzerhand nachdem wir uns mit den aktuellen klimatischen Verhältnissen beschäftigt haben. In der Gegend in und um Leon, mit all den schönen Vulkanen ist es derzeit knapp 40 Grad tagsüber und nachts 30 Grad. Wir sehen uns nicht bei den Temperaturen durch die Stadt stolpern und wir sehen uns auch nicht im schwarzen Sand die Vulkane bei der Hitze besteigen. Da wir das alles „links liegenlassen“ brauchen wir keine Verlängerung. Wir denken dass die knapp 3 Wochen, die wir noch haben reichen werden. 

Erleichtert, diese Entscheidung getroffen zu haben, fahren wir ganze 12 Kilometer weiter und stellen uns in 1.300 m Höhe in das Reserva Natural Tisey – La Estanzuela. Wir unternehmen ein paar längere und kürzere Wanderungen und genießen die Frische der Berge und die wunderbare Landschaft. Wir laufen auch zur Finca El Jalacate mit den Esculturas en piedra (Steinskulpturen). Don Alberto Gutierrez, geboren 1943, hat hier die meiste Zeit seines Lebens wie ein Eremit gelebt. Jetzt lebt seit ein paar Jahren seine Nichte bei ihm. Er hat vor fast 50 Jahren angefangen, als „er eine Stimme in sich gehört hat“, Skulpturen in die Felsen auf seiner Finca zu hauen. Sein Schaffensdrang hat bis heute nicht nachgelassen und er hat praktisch einen ganzen Berg freigelegt und viele Skulpturen aus dem Felsen herausgearbeitet. Er sagt, dass er durch Visionen und Spiritualität motiviert ist und er hat viele religiöse, politische und andere geschichtliche Szenen aber auch Tiere, historische Figuren und Alltagsszenen dargestellt. Sein Leitspruch ist „Paz, Armor y Felicidad“ (Friede, Liebe und Glück) und wir fühlen uns geehrt, Don Alberto kennenlernen zu dürfen.

Leider können wir nicht für immer in den Bergen bleiben, also fahren wir weiter südlich und finden einen zauberhaften Übernachtungsplatz an einem See. Wir hatten auf I-overlander einen Stellplatz am Lago de Moyua gesehen und den wollen wir eigentlich anfahren. Uns kommt jedoch ein Krater und eine Walze entgegen und so fragt Kasi einfach kurzerhand bei einem anderen umzäunten Grundstück den Besitzer, ob wir da bleiben können. No Problema! Wir dürfen, sollen nur morgen das Tor wieder zumachen, denn er wohnt gar nicht hier. Er sagt wir dürfen Wasser und Strom haben und sein Jetski benutzen – brauchen wir alles nicht – aber ist das nicht unsagbar lieb? Wir erkunden noch die Umgegend und freuen uns hier zu sein.

Am nächsten Tag fahren wir zum Volcan de Masaya. Man fährt mit dem Auto bis zum Kraterrand und schaut 5 Minuten (länger darf man nicht, wegen der Dämpfe) in den dampfenden Krater. Schon imposant aber nicht umwerfend. Viele kommen im Dunkeln her, dann kann man wohl die glühende Lava sehen – doch fahren wir grundsätzlich nicht im Dunkeln und am Eingang  übernachten wollen wir auch nicht, da der unmittelbar an einer vierspurigen Straße gelegen ist. Wir wandern noch ein wenig durch den Vulkanpark und besuchen das erstaunlich gut gemachte Museum. Danach fahren zur Laguna de Masaya, wo wir auf einem sehr schönen Platz übernachten. Danke Roger. Noch immer ist die Hitze gut auszuhalten, da insbesondere Nachts eine frische Brise zu spüren ist und bei 25-27 Grad können wir ganz gut schlafen.

Wir sind gerade wie im Urlaub unterwegs und es geht Schlag auf Schlag – wir fahren weiter zur Laguna de Apoyo. Dort stellen wir uns am Kraterrand zu einem Mirador. Runter zum See, soll es wohl nur mit kleineren Autos möglich sein. Nicht schlimm, wir genießen die Aussicht, Marschiren durch einen kleinen Park, bestellen uns in einem Cafe Frappuccinos und bekommen Cappuccinos – auch lecker.

Weiter gehts nach Granada am Nicaraguasee. Wir kommen genau in der Mittagshitze in dieser imposanten alten Kolonialstadt an und parken mit Ewald mitten in der fast schattenlosen Stadt vor einem verlassenen Hotel. Es ist HEISS – zum ersten mal ist es uns richtig heiß und wir fühlen uns leicht überfordert. Wir latschen kreuz und quer durch die Stadt, immer auf der Suche nach Schatten und setzen uns dann in einen schönen Innenhof und genießen einen Cocktail – der uns quasi aus den Socken wirft. Ha! Wir verweilen noch länger, im TV läuft die Championsleague und Kasi und andere Gäste zittern entweder mit Bayern oder Madrid. Lustig – mich kümmert es wenig. Aber der Innenhof ist schön und die Limonade nach dem Cocktail tut gut. Später gehen wir noch auf einen Glockenturm und bewundern die Stadt von oben. 

Ewald steht noch immer in der brütenden Sonne als wir zurück kommen und wir müssen dringend Schatten finden. Wir fahren am Malecon des Nicaragua Sees entlang und finden etwas ausserhalb der Stadt einen schattigen Platz. Dann wird es spätabends sehr windig und endlich wird es im Ewald erträglich und wir können bei knapp unter 30 Grad gut schlafen. Wenn wir aus unseren Fenstern rechts schauen sehen wir Tonnen von Plastikmüll, schauen wir links raus sehen wir den schönen Nicaraguasee. Ein Land der Gegensätze.

Wir brauchen mal wieder ein paar Tage an einem Platz. Sowohl Ewald, als auch wir benötigen ein wenig Pflege. Wir lesen von einer Art Campingplatz in San Jorge. Dort fahren wir hin, es gibt herrliche kalte Duschen, Schatten unter Mangobäumen und einen Wäscheservice. Was will man mehr? 

Durch ärmliche Gegenden fahren wir nach San Jorge, und wie wir erfahren, ist Nicaragua das ärmste mittelamerikanische Land mit einem durchschnittlichen Einkommen vom 240 US Dollar monatlich. Natürlich gibt es hier auch wieder eine super reiche Elite, die meist im unmittelbaren Zusammenhang mit der politischen diktatorischen Führung steht und die Schere zwischen Arm und Reich ist riesig. Doch machen die Menschen keinen unzufriedenen Eindruck, Es wird viel Musik gehört, gesungen, gelacht und die meisten scheinen mit dem „System“ zufrieden zu sein. Ist ja auch nicht alles schlecht … gut ist, dass eine Schulpflicht herrscht und in jedem, auch noch so kleinen Dorf, ist eine Schule zu finden. Alle Schulkinder bekommen täglich ein freies Mittagessen und das Gesundheitssystem ist für jeden zugänglich und kostenlos. Dafür ist halt die Demokratie offensichtlich und die Meinungsfreiheit vermeintlich etwas eingeschränkt. Wir werden dann diesen Bericht auch erst in Costa Rica veröffentlichen, nicht dass wir Ärger bekommen. Seit der freundlichen Grenzüberquerung, haben wir einige Grenzbeamte als follower. 😆 

Wir genießen jetzt erst mal die Tage in San Jorge mit einigen kalten Duschen am Tag und unseren frühmorgendlichen Läufen am Strand des Nicaraguasee. Spätnachmittags ist es am Strand auch sehr schön. Der Ausblick auf die 2 Vulkane der Insel Ometepe ist vielversprechend und die Anzahl und die Artenvielfalt der Vögel ist großartig.

Jede Nacht wird wärmer und tagsüber ist es jetzt sowieso heiß. April ist halt der heißeste Monat hier in Zentralamerika – doch bis jetzt hatten wir wenigstens Nachts immer gut Wind. Der ist jedoch schlagartig in unserer dritten Nacht hier verschwunden und so haben wir eine ziemlich heiße und stickige Nacht. Zum Glück haben wir wenigstens unsere Ventilatoren und tagsüber können wir uns gut unter den Mangobäumen aufhalten. Wir sehnen uns jetzt aber nach ein wenig Kühle – das müssen wir zugeben.

Und die Kühle ist in Form einer klimatisierten Hütte auf Ometepe auch in Sicht. Nach einer einstündigen Fährfahrt, auf einer sehr alten, ausgelutschten Fähre, und einer kurzweiligen Taxifahrt mit einem sehr redseligen und lustigen Taxifahrer, kommen wir in der Finca Mystica auf der östlichen Hälfte von Ometepe an. Es ist einfach herrlich hier – ein echtes Paradies abseits der Straße und abseits von allem. Maximal 20 Gäste finden in den diversen liebevoll gebauten Hütten Platz – derzeit sind aber nur etwa 10-12 Gäste hier. Es ist erholsam ruhig, wir lernen eine liebe Familie kennen, mit denen wir immer zu Abend essen, und wir fühlen uns rundum wohl. Das Frühstück und Abendessen sind super lecker und ALLE Mitarbeiter einfach großartig. Also sollte mal jemand nach Nicaragua wollen (empfehlenswert), sollte Ometepe unbedingt auf dem Plan stehen und die Finca Mystika ist ein MUSS.

Die nächsten 2 Tage haben wir ein Quad gemietet und wir erkunden die komplette Insel. Wir fahren sowohl komplett um den Vulkan Maderas, als auch um den Vulkan Concepcion herum. Das sind einige Kilometer … und da viele Straßen unbefestigt sind, werden wir ganz gut durchgeschüttelt, obwohl die Federn des Quad einiges wegstecken. Wir erkunden den Wasserfall San Ramon, die altehrwürdige und leicht verfallene Finca Magdalena (Kaffeeanbau), den Mangrovenpark Charco Verde, einige Cafes und die wunderbaren natürlichen Bademöglichkeiten am Ojo de Agua. Am zweiten Tag werden wir von der Polizei gestoppt, leider haben wir unsere Führerscheine vergessen, und sie wollen erst 30 und dann 20 Dollar. Wir verlangen eine Quittung, sie verweigern, eine zu schreiben (ist ja klar), wir machen Bilder von den Polizisten, sie regen sich furchtbar auf, geben uns das Geld zurück und wir löschen die Bilder … argwöhnisch beobachtet. Dann ist das Kapitel beendet und wir fahren weiter. Dreimal sind wir nun in den letzten Jahren angehalten worden – doch zahlen mussten wir noch nie.

Am dritten Tag auf Ometepe gehen wir mit Simion, unserem 71 jährigen Guide, der schon mehrfacher Uropa ist, auf den Maderas. Es gilt 1.250 Höhenmeter auf 7,5 Kilometer zu bewältigen. Es ist wolkig und wir sind nicht böse drum. Simion ist topfit und zeigt uns auf dem Weg hoch noch einige Felsgravuren, zwei Bergschildkröten, eine riesige Kröte und wir werden auf dem ganzen Weg hoch und runter von 2 Hunden (Lilly und Solito) begleitet. Zunächst ist es trocken und sehr warm, doch je höher wir kommen desto nässer und kühler wird es, bis wir die letzten 2 super steilen Kilometer quasi im Regenwald unterwegs sind. Über Wurzeln und Felsen und im Matsch müssen wir echt klettern, da sich die meisten Höhenmeter auf diesen Abschnitt befinden. IRRE!

Oben angekommen sehen wir dank der Wolken fast nix – genießen aber unsere leckeren Sandwiches, die wir von der Finca bekommen haben. Ab und zu können wir einen kurzen Augenblick auf den Kratersee, etwa 100m unter uns, erhaschen. Auf dem Weg runter, Simion springt wie eine Katze die 1.250 Höhenmeter herunter und wir haben Mühe mitzukommen. Wir erfahren viel über Flora und Fauna, sehen Kapuzineräffchen, Brüllaffen, Waldtruthähne, Papageien und vieles mehr. Eine großartige Wanderung mit dem erfahrenen und inspirierendem Simion. Nach sechs ein halb stunden sind wir wieder zurück an der Finca und genießen noch ein Abschlussbier zusammen. Danke Simion!

Und schon sind die vier Nächte um, und wir fahren mit der Nachmittagsfähre wieder zurück nach San Jorge und finden Ewald wohlbehalten auf dem Hotel Campground. Immer wieder schön, „zuhause“ anzukommen. Wir gehen noch einmal zu unserem Lieblingscafe und kaufen ein paar Kleinigkeiten. In der Nacht fängt es an zu regnen – und wie – unsere Stühle werden naß und auch einige Klamotten. Damit hatten wir einfach nicht gerechnet, denn es ist noch viel zu früh für die Regenzeit. Aber wir nehmen es gelassen … bleibt uns ja auch nix anderes übrig.

Nachdem wir noch etwas ausführlicher in Rivas eingekauft haben, beschließen wir unsere letzten Tage in Nicaragua am pazifischem Strand zu verbringen. San Juan del Sur sparen wir uns lieber aus, da es als Partygegend für Backpacker und Surfer gilt. Also nicht so unser Ding. Deshalb fahren wir über lustige Straßen ein paar Kilometer weiter zum Playa Maderas. Der Strand wurde uns als cooler Stellplatz empfohlen, doch sind wir ziemlich enttäuscht. Hier wird gerade eine neue Straße gebaut, der Baulärm ist unerträglich, gleichzeitig wummern einige Lautsprecher mit der üblichen nervtötenden Musik, der Strand ist ziemlich vermüllt und der ganze Vibe gefällt uns nicht wirklich. 

Wir marschieren ein wenig am Strand und in der übernächsten Bucht ist es super schön und ruhig, sauber und gechillt. Wir fragen in einer fast leeren Beachbar, ob wir mit Ewald hier für eine Nacht parken dürfen, doch der Kellner ist etwas verunsichert und sagt erst mal nein und verweist uns auf einen öffentlichen Parkplatz. Kaum haben wir uns umgedreht kommt uns Juan Carlos, ja so heißt er wirklich, hinterher, stellt sich als Manager dieser Bar und eines Hotels in der übernächsten Bucht vor und sagt, dass wir natürlich hier campen dürfen. GROSSARTIG! Wir holen Ewald, werden noch auf Pizza und leckere Drinks eingeladen und erfahren, dass es hier in der Gegend neben den unzähligen Affen auch Faultiere geben soll. Kurzentschlossen buchen wir bei Juan Carlos für den nächsten Tag eine „Sloth-Tour“.

Am nächsten Tag laufen wir am Strand, springen in die Fluten, genießen die Duschen des Beachclubs … kurzum genießen das Leben. Nachts hat es übrigens wieder heftig geregnet. Nachmittags marschieren wir zum Hotel, es ist super heiß und stickig und Kasi ist leider ein wenig erkältet. Zum Glück kommt uns Luis, unser Guide, ein wenig entgegen und wir werden den letzten Kilometer bis zum Hotel gefahren. Dort erfrischen wir uns erst mal und erfahren einiges über die Geschichte des Landes und auch über die Geschichte dieser wunderschönen Ecolodge „Morgan´s Rock“, mit insgesamt 18 luxuriösen Hütten. Hier können wir es uns auch vorstellen, mal ein paar Nächte zu verbringen. 😀 

Und dann machen wir unsere Tour und schon nach 2 Minuten sehen wir unser erstes Zweifinger Faultier. Der Hammer. Natürlich gibt es auch jede Menge Affen aber der absolute Höhepunkt ist dann eine Mama mit Baby. Wir sind schockverliebt in diese Faultiere. Natürlich hat man sie schon auf Bildern und in Dokumentationen gesehen aber diese absolute Langsamkeit und scheinbar totale Gelassenheit mit eigenen Augen zu erleben – einzigartig. Vor Costa Rica hatten wir nicht mit einer solchen Begegnung gerechnet – wir können gar nicht fassen, was uns hier alles geboten wird und fühlen uns einfach nur dankbar.

Wir verbringen noch einen weiteren Tag in der Beachbar, damit sich Kasi noch ein wenig erholen kann – Fieber und 30 Grad im Ewald geht nicht so gut zusammen, dachte ich zumindest aber Karsten freut sich über die Wärme.

Wir haben Nicaragua sehr genossen und waren mehrfach positiv überrascht. Nun haben wir doch das Gefühl, dass die drei Wochen nicht genügt haben. Doch es ist mittlerweile einfach zu heiß und wir denken, dass wir im Oktober noch mal einen „Schlenker“ durch Nicaragua drehen. Es lohnt sich bestimmt und wir wollen gerne noch die „Indio Maiz“ Region und die Corn Islands erkunden – und wer weiß, vielleicht kommen wir auch noch mal hier hin. 

In den nächsten Tagen geht es dann nach Costa Rica. Wir hoffen wieder auf einen geschmeidigen Grenzübergang, haben jedoch zu unserem Entsetzen schon gehört, dass die Ausreise aus Nicaragua wohl auch ätzend sein soll, mit Fahrzeugscannern, Durchsuchungen usw. Schauen wir mal. Wir sind auf jeden Fall schon sehr auf Costa Rica gespannt, haben wir doch sehr sehr unterschiedliche Sachen von dem wohl ziemlich touristischem Land gehört. Wir versuchen, wie immer, dem Land und den Leuten ohne Voreingenommenheit zu begegnen und lassen uns gerne (positiv) überraschen. Wir halten euch wie immer auf dem Laufenden und bis dahin:

bleibt glücklich, gelassen und gesund.

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